Zeitung Heute : Kurzmeldungen

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AUTORIN MONIKA MARON MIT BRUNO: Als ich Bruno zum ersten Mal gesehen habe, hieß er Maik, stand hinter einem gelben kurzhaarigen Hund im Käfig und sah mich mit genau dem Blick an, auf den ich gewartet hatte, um inmitten dieses Hundeelends entscheiden zu können, welchen von 240 Hunden ich erlöse. Was es mit diesem Blick wirklich auf sich hatte, weiß ich bis heute nicht; nur dass er nicht getäuscht hat, weiß ich.

Natürlich ist das Leben mit Bruno beschwerlicher als ohne ihn. Er bleibt nicht allein, bellt im Auto, solange es fährt, ich muss fluchtartig jede Kneipe verlassen, sobald ein zweiter Hund einkehrt, weil Bruno sofort laut und leidenschaftlich Kontakt zu ihm sucht, ich muss im Grunewald ständig darauf achten, dass wir Welpen aus dem Weg gehen, weil, wie ein Verhaltensbiologe mir erklärt hat, Bruno vermutlich zu früh seinen Wurf verlassen musste, somit seine Welpensozialisation nicht abgeschlossen hat und sie darum heute, als ausgewachsener Mann, mit jedem dahergelaufenen Welpen fortsetzen muss, indem er ihn rollt, kneift und schubst, was nur von sehr erfahrenen Welpenbesitzern nicht missverstanden wird. Und wir müssen, wenn wir mit Bruno zu einem Fest eingeladen sind, darauf achten, dass wir als Letzte kommen, weil Bruno jeden neuen Gast mit einem nur langsam abebbenden Getöse begrüßt und erst Ruhe gibt, wenn dieser sitzt.

Trotzdem ist das Leben mit Bruno unvergleichlich schöner als ohne ihn. Allein die erste Begegnung am Morgen wiegt alles auf, das Bellen, die Welpen, die Kneipenfluchten: Brunos tägliche Begeisterung über das morgendliche Wiedersehen, die keinem Verschleiß unterliegt, jeder Tag wird begrüßt, als wäre er der Einzige, die ungestüme Freude, weil der Morgen beginnt, wie der Abend endete und wir alle wieder oder immer noch da sind.

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