Zeitung Heute : Kurzmeldungen

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ZÄRTLICH: Alexander Welikanow, 53

Ich spiele vor allem Schlager, russische, deutsche, italienische, manchmal auch Operettentitel. Hauptsache, sie klingen schön leicht, so wie „Blau blüht der Enzian“, und nicht nach Oper. Haben Sie „Carmen“ an der Staatsoper gesehen? Ich bitte Sie, so eine dicke Kuh! Musik braucht Zärtlichkeit, keine Gewalt. Das predige ich auch meinen Gesangsschülern, die ich nebenbei unterrichte. Ich bin Wolgadeutscher und lebe seit drei Jahren in Berlin. In Saratow bin ich nach der Mittelschule neun Jahre auf ein Konservatorium gegangen und habe dort Akkordeon, Gitarre und Gesang studiert. Leider warte ich noch auf die Anerkennung meines Diploms in Deutschland. Solange spiele ich jeden Tag an unterschiedlichen UBahn-Stationen Berlins, am liebsten am Potsdamer Platz, weil dort das Publikum netter ist. Leider braucht man aber eine Genehmigung. Dafür muss ich jeden Mittwoch zum Rathaus Steglitz gehen, mich anstellen und sieben Euro bezahlen. Mit meiner Musik verdiene ich nur etwa zehn Euro am Tag. Doch für mich ist das Spielen auf der Straße die beste Möglichkeit, mich als Profi zu entfalten. Hier merke ich sofort, ob es ankommt, was ich mache. Die Menschen müssen mir ja nicht zuhören, sie können einfach weitergehen. Ob ich einen Traum habe? Ja, ich würde gerne in Berlin ein Musiktheater für Kinder und Jugendliche gründen.

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