Zeitung Heute : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Bordeaux. Bordeaux? Das ist ein Thema, das viele Weinfreunde zu den Akten gelegt haben. Entweder sind die Weine schlicht unbezahlbar, oder sie enttäuschen, oft auch beides auf einmal. „Die Preisspanne zwischen der Spitze und dem unteren Ende des Marktes ist größer denn je, doch die Qualitätsspanne zwischen ihnen war noch nie so gering", sagte die britische Expertin Jancis Robinson - allerdings war das auf dem Gipfel des künstlich angefachten Wahns über den 2000er und noch vor dem hoffentlich heilsamen Preiseinbruch, den der mäßige Jahrgang 2001 mit sich brachte. Trotzdem ist das Niveau immer noch sehr hoch, trotzdem kosten Merkwürdigkeiten wie der 2001er L´Arrosée gegenwärtig um 470 Euro pro Kiste, und wer das gerechtfertigt findet, soll das Geld halt rauswerfen. Viel schöner ist es auf jeden Fall, für 11 Euro pro Flasche einen 2000er zu finden, der sowohl die allgemeinen Vorzüge dieses Jahrgangs zeigt als auch die Typizität eines charaktervollen Bordeaux. Chateau Micalet gehört zu den „Cru Artisans" , 300 Medoc-Weingütern, die etwa 11 Prozent der Produktion dort ausmachen und sich strengen Kontrollen durch ihren Verband unterwerfen. Ein sehr kleines Gut: Vier Hektar Rebfläche, 27000 Flaschen pro Jahr. Doch das gibt dem Besitzer Denis Fedieu die Gelegenheit, jede Rebe mit äußerster Sorgfalt zu behandeln und neben Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc auch die kapriziöse Petit Verdot zu pflegen, die Weine besonders langlebig macht. Handlese und strenge Selektion sind hier selbstverständlich, und das ist auf diesem Preisniveau eine Seltenheit. Dieser Wein ist ein herrlicher Cabernet-betonter Medoc mit Frucht, gut eingebundenem Holz und sanften Tanninen, der viele teure Nobilitäten in den Schatten stellt und für 11 Euro bei Entrepot du Vin in der Fasanenstraße 42 in Wilmersdorf zu haben ist. Zum Osterlamm ideal, sowohl zum bevorstehenden als auch zu den, sagen wir, fünf folgenden...

Um auf den bevorstehenden Frühling anzustoßen oder ein Ostermenü einzuleiten, kann ein Glas Sekt nie falsch sein. Eine nahe liegende Idee soweit. Doch wer hat in Berlin schon einmal Sekt aus der Region Taubertal probiert, die früher „Badisches Frankenland“ hieß? Das liegt vermutlich daran, dass die es dort nur rund 700 Hektar Weinberge gibt. Sie werden überwiegend von Nebenerwerbswinzern bewirtschaftet, die ihre Trauben an die Genossenschaften abliefern – solche Weine verlassen selten die Region. Die größte ist die Winzergenossenschaft Beckstein , die sich unter ihrem Kellermeister Stefan Steffen einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet hat. Vor allem die Qualität der zahlreichen verschiedenen Sekte ist beeindruckend. Hier ist einer davon, der 2002 Becksteiner Kirchberg Kerner Sekt brut . Er zeigt, dass die klassische Flaschengärung hier nicht weniger gut beherrscht wird als in der Champagne. Aber der regionaltypische Kerner gibt diesem Sekt einen ganz eigenen, vom Riesling nicht all zu weit entfernten Charakter mit animierendem Apfel- und Grapefruitduft, ausbalancierter Säure, cremig-samtiger Perlage und einem Hauch von Brioche-Duft, den sie in der Champagne nicht besser hinbekommen. Der Preis liegt dennoch sehr weit unter Champagner-Niveau: Die Flasche kostet 8 Euro in der Weinhandlung Querschnitt , Winterfeldtstraße 46 und Regensburger Straße 32, beide in Schöneberg.

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