Zeitung Heute : Kuscheln auf dem Bärenfell Kaminöfen lassen sich oft nachträglich einbauen

Felix Rehwald
Endlich mal ein Fass aufmachen. Mit einer Höhe von rund 90 Zentimetern und einer Breite von 67 Zentimetern tritt dieser Ofen unaufdringlich und doch äußerst wirkungsvoll in Erscheinung. Dieses Modell soll selbst nach 2015 noch lange den gesetzlichen Anforderungen genügen. Foto: epr/Energetec
Endlich mal ein Fass aufmachen. Mit einer Höhe von rund 90 Zentimetern und einer Breite von 67 Zentimetern tritt dieser Ofen...

Die meisten Menschen träumen von einem wohlig-warmen Kaminfeuer in den eigenen vier Wänden. Und so lassen sich immer mehr Hausbesitzer einen Kaminofen auch nachträglich einbauen. Die meisten wollen damit allerdings Heizkosten sparen.

Der Absatz von „häuslichen Einzelfeuerstätten“ ist nach Angaben des Industrieverbands Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) in Frankfurt am Main steigend. Wurden im Jahr 2008 noch 301 000 Kamin- und Dauerbrandöfen verkauft, waren es 2009 schon 334 000. Hinzu kamen 65 000 Heiz- und Kamineinsätze, 22 000 Herde und 16 000 Pelletöfen.

Die Vorteile eines Kaminofens liegen angesichts steigender Gas- und Ölpreise auf der Hand: „Mehr als 90 Prozent aller Öfen werden gekauft, um Heizkosten zu sparen“, sagt Michael Pommer von der DIY-Academy in Köln. Besonders im Herbst, wenn es noch nicht richtig kalt, an manchen Tagen hingegen schon recht ungemütlich ist, bietet sich die Ofenfeuerung an. Die Räume werden schnell warm, ohne dass schon die Heizung angeworfen werden muss. Hinzu kommt, dass Holzfeuer umweltfreundlich ist. Es wird dabei nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat. Man bezeichnet die Verbrennung daher auch als „CO2-neutral“.

Grundsätzlich lässt sich dem DIY-Experten zufolge in jedes Haus nachträglich ein Kaminofen einbauen. Allerdings sind dabei je nach Haustyp Besonderheiten zu beachten. So sind in Neubauten, die nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) errichtet wurden, spezielle Öfen erforderlich. Sie müssen über einen externen Luftanschluss verfügen, da Energiesparhäuser quasi luftdicht sind, so Pommer. Irgendwo muss der zur Verbrennung nötige Sauerstoff ja herkommen. Gleiches gelte für Altbauten, die energetisch nach der EnEV saniert worden sind.

Auch wenn im Haus kein Schornstein vorhanden ist, an den ein Kaminofen angeschlossen werden kann, ist das kein Hinderungsgrund. Dann wird einfach ein doppelwandiges Edelstahlrohr außen an der Hauswand montiert, per Kernbohrung an der Austrittsstelle ein Loch in die Hauswand gebohrt und das Abgasrohr an den externen Schornstein angeschlossen. Bevor jedoch die Wand aufgestemmt wird, sprechen Hauseigentümer besser mit ihrem Schornsteinfeger, empfiehlt Pommer. Denn der muss die Installation abnehmen und wird daher am besten von Anfang an in die Planungen einbezogen.

Dabei sind zum Beispiel Brandschutzaspekte zu berücksichtigen, erläutert Andreas Kramer vom Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger in Erfurt. So müssen beim Aufstellen eines Ofens bestimmte Sicherheitsabstände zu brennbaren Materialien eingehalten werden. Ist im Zimmer Parkett verlegt, muss der Ofen etwa auf einer Schutzplatte aus Metall oder Glas stehen.

Wichtig sind auch die Druckbedingungen am Aufstellungsort. So müssen die Rauchgase ungehindert durch den Schornstein entweichen. Daher dürfen in dem Wohnbereich keine Ventilatoren – etwa in Dunstabzugshauben – gleichzeitig betrieben werden. Statt durch den Schornstein abzuziehen, könnte der Rauch sonst in die Wohnung gesogen werden. Dann besteht die Gefahr einer Kohlenmonoxid- Vergiftung. Erst nach der Abnahme durch den Schornsteinfeger dürfe der Ofen betrieben werden, betont Kramer. Sonst könne im Brandfall die Feuerversicherung die Zahlung verweigern.

Der Schornsteinfeger berät Hauseigentümer auch im Hinblick auf die Heizleistung, sagt Pommer. Denn es sei wichtig, den Ofen richtig zu dimensionieren. Maßgeblich für den erforderlichen Heizwert seien die Kubikmeterzahl der zu heizenden Räume und der persönliche Wärmebedarf. Will man mit dem Ofen die Heizung ersetzen, muss dieser „dauerbrandgeeignet“ sein – also durchgehend befeuert werden können. Dann kommen massive, gemauerte Konstruktionen in Betracht. Soll der Ofen hingegen nur gelegentlich angefeuert werden, „um sich mal auf dem Bärenfell mit einem Glas Rotwein zu räkeln“, reichten kleinere Modelle aus Stahl, erklärt Pommer. Felix Rehwald

Für welchen Ofen man sich auch entscheidet – die gültigen Immissionsvorschriften müssen erfüllt sein. Nach überarbeiteter 1. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchV) im März 2010 dürfen neu installierte Kaminöfen nur noch bestimmte Mengen Feinstaub ausstoßen. Der Ofen muss typgeprüft sein, der Hersteller die Einhaltung der DIN- und EN-Normen garantieren.

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