Zeitung Heute : Lachen im Tunnel

Der Tagesspiegel

Von Holger Wild

Der Mensch, der bei der BVG die Werbeartikel verantwortet, trägt an heißen Tagen gewiss ein Frottee-Stirnband, worauf „Stellwerk“ eingestickt ist. Gemeint ist, haha, der Kopf. Und „Nothammer“ oder „Stromschiene“ steht entsprechend für ein gewisses unteres Organ – jedenfalls auf der neuen Unterwäsche-Kollektion des Nahverkehrs- (haha)-Unternehmens. Bei Damen ist vom „Stromabnehmer“ die Rede, weiter oben wippen unterm Top die „Pufferküsser“. Nachdem „schlüpfrige“ Bahnhofsnamen wie Gleisdreieck oder Rohrdamm für die erste Kollektion alle verbraucht wurden, werden zwecks Zweideutigkeit nun Begriffe aus der Eisenbahnersprache herangezogen.

Zwar wäre es quasi noch tausendmal frivoler gewesen, stünde auf den Damenhöschen „Rangierbahnhof“. Oder „Vorsicht bei der Einfahrt“. Dazu auf dem Feinripp: „Rangierlok“ bzw. „Zug fährt ein“, das wäre im Pärchenlook sehr hübsch. Slipeinlagen könnten fast schon tabubrechend „Monatskarte“ heißen und Präservative „Berechtigt zur einmaligen Fahrt“ – wat hamwa jelacht!

Man dürfte also annehmen, dass der Humor der BVG etwa so anarchisch ist wie die Windjacken ihrer Kontrolleure sexy sind. Zum Lachen gehen sie dort in den Tunnel.

Aber dann – entdecken wir in ihrem Werbeartikel-Katalog etwas atemberaubend Absurdes: einen „Wendeplüsch“. Das ist einerseits ein knuffiger, großäugiger U-Bahnwaggon – und andererseits, von innen nach außen gekrempelt: ein Berliner Bär!

Der Wendeplüsch. Komplett sinnfrei. Für 19,90 Euro. Herrlich!

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