Zeitung Heute : Lachen will gelernt sein

Gute Laune im Büro macht nicht nur zufriedener, sondern auch kreativer. Humortrainer zeigen wie’s geht.

Silke Zorn

Seien Sie mal ehrlich: Wann haben Sie bei der Arbeit das letzte Mal so richtig herzhaft gelacht? Sich mit schmerzendem Zwerchfell über ihrem Schreibtisch gekrümmt? Mit der Kollegin in der Teeküche vor Vergnügen Tränen vergossen? Eine nicht zu stoppende Lachepidemie im Großraumbüro ausgelöst? Wer über diese Fragen ins Grübeln gerät, steht nicht allein: Spaß im Job ist für viele Menschen geradezu ein Widerspruch in sich selbst.

„Ein großer Irrtum“, meint Eckart von Hirschhausen, Arzt, Komiker und Moderator. Der Berliner beschäftigt sich seit Jahren mit Humor, Kreativität und mentaler Fitness. Er ist sich sicher: Wenn wir unseren Humor nicht mit Hut und Mantel an der Bürotür ablegen, geht vieles leichter.

Seit drei Jahren hilft der Humor-Experte Fach- und Führungskräften bei der gezielten Stimulation ihrer Lachmuskeln. Man kann ihn für Seminare im eigenen Unternehmen anheuern – oder den Kurs „Führen und Präsentieren mit Humor“ besuchen, den der Seminarveranstalter Management Circle anbietet. Anfang Dezember fand er zum wiederholten Mal in Berlin statt. „Ich kann zwar niemanden lustiger machen als er ist“, sagt von Hirschhausen, „aber ich kann ihm die Angst nehmen, sich lächerlich zu machen.“ Gemeinsam wird an witzigen Einstiegen in Präsentationen gefeilt und der humorvolle Umgang mit den eigenen kleinen Unzulänglichkeiten geübt. Vor allem aber geht von Hirschhausen der Frage nach, warum unser Humor wieder Einzug in den Arbeitsalltag halten sollte und wie man es überhaupt anstellt, Routine, Stress und Denkblockaden einfach wegzulachen.

Sein wichtigster Tipp für eine gelungene Präsentation: „Machen Sie sich ein Sandwich.“ Damit ist nicht die mehrstöckige englische Gaumenfreude gemeint, auch wenn Hunger und Durst durchaus ernst zu nehmende Spaßbremsen sein können. „Humor ist der leckere Belag zwischen zwei Scheiben relevantem Inhalt“, weiß von Hirschhausen, „Bauen Sie eine witzige Anekdote mit Bezug zum Thema in Ihren Vortrag ein, das bleibt haften.“ Humor kann aber noch viel mehr als müde Zuhörer munter machen. Ein Lachen kann in unserem Körper wahre Wunder bewirken. Bis zu achtzig Muskeln von Kopf bis Fuß werden beansprucht, wenn wir uns vor Lachen so richtig schütteln. Eine Minute Lachen ist ebenso wirkungsvoll wie 45 Minuten Entspannungstraining – Stresshormone werden abgebaut, das Immunsystem gestärkt. Mit steigendem Alter nehmen wir diese Arznei allerdings immer seltener in Anspruch. Lachforscher haben herausgefunden, dass Erwachsene im Schnitt nur noch fünfzehn Mal am Tag lachen, während sie sich als Kind bis zu vierhundert Mal täglich lauthals amüsierten.

Aber können wir eigentlich alle auf Knopfdruck witzig sein? Willi Hermanns jedenfalls ist kein komischer Mensch. Das teilt er vorsichtshalber gleich zu Seminarbeginn mit, damit ja keine Missverständnisse aufkommen. Dass man in wenigen Stunden einen Entertainer aus ihm machen kann, glaubt Hermanns beim besten Willen nicht. Von Hirschhausen schweigt und schmunzelt. Er weiß es besser. „Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Humor.“ Und dem ist der Komiker mit Doktortitel unbarmherzig auf der Spur.

Nicht nur das körperliche Wohlbefinden, auch die grauen Zellen bringt ein herzhaftes Lachen kräftig auf Touren. Fröhliche Menschen sind geistig beweglich, haben neue Ideen. Mit ein paar einfachen Übungen zur Stimulation der rechten Gehirnhälfte lässt sich dieses kreative Potential leicht herauskitzeln. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Spiel „Was tust Du?“, wenn der Ideenreichtum Ihrer Abteilung das nächste Mal gefordert ist? Die Mitspieler finden sich paarweise zusammen und ein Partner beginnt, pantomimisch eine Tätigkeit darzustellen. Jetzt ist Spieler Nummer zwei an der Reihe, indem er fragt: „Was tust Du?“ Nummer eins darf auf diese Frage alles Mögliche antworten: „Ich fange einen Frosch“ – „Ich robbe durch den Sumpf“ – „Ich melke eine Kuh“. Tabu ist allerdings die eigentlich dargestellte Aktivität. Spieler Nummer zwei greift nun die neue Tätigkeit pantomimisch auf und alles geht von vorne los. „Ein Teilnehmer hat mir mal anvertraut, das Seminar sei allein deshalb jeden Cent wert gewesen, weil sein Chef vor ihm auf dem Boden herumgekrochen sei“, erzählt von Hirschhausen grinsend.

Ganz billig ist dieses Vergnügen nicht: Zwei Tage intensive Fröhlichkeit kosten bei Management Circle 1595 Euro, inklusive Mittagessen, Getränke und Unterlagen. Wer sich den Spaß gegönnt hat, kehrt mit vielen neuen Ideen und einem anderen Bild von sich selbst in den Alltag zurück. Auch Willi Hermanns. Nicht als zweiter Louis de Funès. Aber als jemand, der Bekanntschaft mit dem kleinen Schalk in seinem Nacken geschlossen hat.

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