Zeitung Heute : Lachender Letzter

Erich Ahlers

Bis zum Sonntagabend werden in Salt Lake City in 78 Wettbewerben Olympiasieger gekürt. Darunter werden Favoriten sein, natürlich auch Außenseiter. Doch niemand dürfte mit einer derart großen Portion Glück zum Gold gekommen sein wie Steven Bradbury. Der 28-Jährige aus Brisbane geht in die olympische Geschichte ein, weil er zum einen den ersten Sieg für Australien bei Olympischen Winterspielen feierte und zum anderen demonstrierte, wie man mit Langsamkeit der lachende Fünfte sein kann.

Im Finale der 1000-m-Entscheidung der Short-Track-Eisläufer stürzten auf den letzten Metern sämtliche vier Konkurrenten. Bradbury konnte dies als aussichtsloser Letzter aus gesicherter Entfernung beobachten und fuhr schließlich in aller Ruhe über die Ziellinie. "Ich habe erst einmal eine Minute abgewartet, weil ich dachte, dass das Rennen noch einmal wiederholt wird. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich Olympiasieger bin", sagte der gelernte Schuhmacher, der an einer Firma beteiligt ist, die dem hohen Favoriten Apolo Anton Ohno (USA) die Schlittschuhe fertigt.

Vor dem Rennen hatte Bradbury den USAmerikaner gebeten, im Falle eines Erfolges doch öffentlich auf die gute Qualität des Schuhwerks hinzuweisen. "Das war dann nicht mehr nötig", grinste Bradbury, der bislang kaum einmal in Erscheinung getreten war bei sportlichen Großereignissen. Vielmehr war er immer wieder von erheblichem Verletzungspech betroffen nach schweren Stürzen. So gesehen war es nachvollziehbar, dass er sich aus den in dieser Wildwest-Variante des Eislaufs üblichen Handgreiflichkeiten in der Spitzengruppe heraushielt. "Ich wusste, dass ich nicht der schnellste Läufer bin und konnte nur hoffen, dass vorne irgendein Unfall passiert. Und genau dieser Fall ist ja dann auch eingetreten."

Nicht nur einmal. Im Bradburys Viertelfinale stürzten zwei Konkurrenten, in seinem Halbfinale ebenfalls, hinzu kam eine Disqualifikation. Nur so war der Australier mit der blondierten Starkstromfrisur in das finale Rennen geraten. Die Surfnation Australien inklusive Outback darf seinen ersten olympischen Helden auf Eis feiern. Die australische Post wird ihn mit einer Erinnerungs-Briefmarke ehren.

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