Zeitung Heute : Ladenhüter

China will die Hanauer Atomfabrik kaufen – dem Kanzler gefällt’s

Dagmar Dehmer

Anfang der 90er Jahre hat Joschka Fischer (Grüne), damals als Umweltminister in Hessen die Vorgängeranlage der Plutoniumfabrik in Hanau stillgelegt. Nun soll er die Ausfuhr der nie in Betrieb gegangenen Anlage nach China genehmigen, obwohl damit auch im großen Umfang Plutonium für militärische Zwecke hergestellt werden kann.

Die Firma Siemens hatte bis 1995 rund 700 Millionen Euro in die einstmals als größte Plutoniumfabrik der Welt geplante Anlage investiert. Dann zogen sich die deutschen Atomkraftwerk-Betreiber aus dem Projekt zurück. Sie hatten jahrelang gehofft, in Hanau Mischoxid-Brennstäbe herstellen zu können, die zu 97 Prozent aus Uran und rund drei Prozent aus Plutonium entstehen. Diese Wiederaufarbeitung hätte als Entsorgung des beim zivilen Betrieb der Atomkraft anfallenden Plutoniums gegolten. Doch 1995 zogen sich die Betreiber aus dem Projekt zurück. Im Jahr 2000 wurde die Fabrik abgebaut. Den „Restwert“ für die in Seekisten verpackte Anlage beziffert Siemens inzwischen mit rund 50 Millionen Euro.

Es ist nicht der erste Versuch, die Atomfabrik zu verkaufen. Zunächst hatte es Interessenten in den USA gegeben, um Atomsprengköpfe, die nach dem Ende des Kalten Kriegs nicht mehr gebraucht wurden, aufzuarbeiten und im zivilen Betrieb zu nutzen. Aus dem Verkauf wurde nichts. Vor drei Jahren hatte dann Russland mit demselben Anliegen in Berlin angeklopft. Allerdings wollte Moskau für die Anlage gar nichts bezahlen. Deshalb hatte Siemens von der rot-grünen Bundesregierung die Gewährung eines Ausfuhrkredits verlangt. Das Geschäft scheiterte schließlich, unter anderem am Widerstand der Grünen. Aber auch Russland verlor das Interesse.

Ob das Geschäft mit China tatsächlich Wirklichkeit wird, müsse der Kanzler noch mit dem Koalitionspartner erörtern, hieß es aus der Regierungsdelegation. Aus Kreisen des Umweltministeriums jedenfalls stammt der Hinweis, dass in der Hanauer Plutoniumfabrik auch Brennelemente für die so genannte Schnelle-Brüter-Technologie hergestellt werden können. Und mit dieser Technologie könne im großen Umfang Plutonium auch für militärische Zwecke hergestellt werden.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar