Zeitung Heute : Lächeln für den Job

Gut vorbereitet sein, locker bleiben und Interesse zeigen – so meistert man Vorstellungsgespräche

Verena Wolff

Das kann ja nur schiefgehen. Im Angesicht des Personalchefs soll man locker sein, Souveränität ausstrahlen und bitte schön authentisch wirken. Die Anforderungen eines Vorstellungsgesprächs treibt vielen Bewerbern den Schweiß auf die Stirn. Dabei muss die Angst vor dem gefürchteten Gespräch gar nicht sein, wenn man ein paar Tipps von Experten beachtet.

Zunächst einmal sollte man sich klarmachen, dass man bereits viele Hürden überwunden hat, wenn man zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird. Viele Verantwortliche im Unternehmen sind von den Bewerbungsunterlagen bereits überzeugt. Angst oder gar Panik sind also vollkommen übertrieben. Dennoch ist eine positive Anspannung sogar gut, sagt Thorsten Knobbe, Geschäftsführer der Karriere-Beratung Leaderspoint.de in Düsseldorf. „Positive Anspannung, eine Art Lampenfieber, sollte vor dem Gespräch da sein“, sagt er. Auf keinen Fall sollte man sie verleugnen oder überspielen.

„So locker wie möglich, aber auch so reserviert wie nötig“ – dieses Verhalten rät Knobbe Bewerbern. Dabei hilft, gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen, wie Personalberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt am Main betont. „Recherche und Information sind die wichtigsten Bestandteile der Vorbereitung.“ Der Bewerber sollte das Unternehmen kennen und über die ausgeschriebene Position und deren Aufgabenbeschreibung genau Bescheid wissen. „Informationen dazu kann man leicht über das Internet finden.“ Auch das wiederholte Lesen der Stellenanzeige kann neue Erkenntnisse bringen – die Chancen stehen besser, wenn das eigene Profil und die gestellten Anforderungen gut zusammenpassen.

Doch nicht nur Kenntnisse über eine Firma und den Job sind wichtig – auch die „Recherche über sich selbst“, wie Krausser-Raether die Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang nennt. „Zur guten Vorbereitung gehört die entsprechende Darstellung der eigenen Person, der Erfahrungen und Kenntnisse“, sagt auch Michael Albrecht, Leiter Recruiting und Personaleinsatz der BMW Group in München. „Die Kenntnisse und Erfahrungen, die für die Stelle relevant sind, sollten ausführlicher zur Sprache kommen als andere Themen.“ Dabei muss sich der Bewerber in seinem Gespräch gut verkaufen. Das heißt: Interesse zeigen an den konkreten Aufgaben, die ihn betreffen werden. Aber auch was das Arbeitsumfeld und die Zusammensetzung des Teams betrifft, sollte der Bewerber Fragen stellen. Die Fragen der Personaler sind dazu da, dem Bewerber auf den Zahn zu fühlen und Informationen zu bekommen, die nicht aus den Unterlagen hervorgehen.

„Man sollte sich damit auseinandersetzen, welche Fragen gestellt werden können“, sagt Beraterin Krausser-Raether. Bewerbungsratgeber können dabei eine Hilfe sein – allerdings sollte man sie nicht auswendig lernen. „Darin geht es immer um Standardsituationen“, sagt Knobbe. Wichtig sei, authentisch zu wirken. „Man sollte bei einigen Fragen, etwa denen nach Stärken und Schwächen, auf Nummer sicher gehen“, sagt er. „Doch man sollte nicht versuchen, eine Person darzustellen, die man nicht ist“, sagt Krausser-Raether.

Wichtig für das Wohlfühlen in einem Vorstellungsgespräch sind auch Kleidung und Verhalten. „Man sollte sich nicht verkleiden und nichts anziehen, das man vorher noch nicht anhatte“, rät Krausser-Raether. Und Knobbe empfiehlt: Lieber ein bisschen zu schick als zu leger. „Mit Hemd und Krawatte macht man nichts falsch, Frauen im Kostüm auch nicht.“ Die Gepflogenheiten in der Branche sollte der Bewerber dabei allerdings beachten, sagen die Experten – für eine herausgehobene Stellung in einer Bank braucht es einen anderen Zwirn als für eine kreative Texter-Position in einer Werbeagentur.

„Wir erwarten, dass Bewerber gepflegt auftreten – dazu zählen sowohl Kleidung als auch Umgangsformen“, sagt BMW-Personaler Albrecht. Vielleicht könne man das Patentrezept eines erfolgreichen Vorstellungsgesprächs so ausdrücken, wie es die Personalberaterin Krausser-Raether macht: Gut fühlen, gut aussehen, gut riechen – und alles in einem Maß, das sympathisch macht. dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben