Zeitung Heute : Landgericht-Prozess: Tabletten im Kaffee gereicht

Peter Murakami

Eigentlich sollten die weißen Tabletten, die Cornelia P. 1998 in den Kaffee rührte, ihren Mann ins Jenseits befördern. Doch der spürte nicht einmal etwas von dem Anschlag, weil es sich bei den Tabletten nicht, wie von den Tätern erwartet, um die Designerdroge Ecstasy, sondern nur um Schmerztabletten handelte. Doch die Absicht zählt. Und deshalb muss sich die 39-jährige Küchenhelferin aus dem Märkischen Viertel seit Montag vor dem Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

Im Sommer vergangenen Jahres war bereits der damals 18 Jahre alte Sohn von Cornelia P. wegen der Beteiligung an dem gescheiterten Anschlag auf den Lebensgefährten seiner Mutter zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Das Verfahren gegen Cornelia P. war seinerzeit abgetrennt worden, weil die Kammer im Laufe des Prozesses zu der Auffassung gelangt war, dass die Angeklagte aufgrund der familiären Situation möglicherweise in ihrer Schuldfähigkeit eingeschränkt war. Deshalb sollte sie zunächst psychologisch begutachtet werden.

Bereits im ersten Verfahren hatten Mutter und Sohn ausgesagt, dass die Familie von Wolfgang P. regelrecht tyrannisiert worden sei. Er habe sich nicht nur wie ein Pascha bedienen lassen, sondern auch beim geringsten Anlass auf seine Frau und seinen Stiefsohn René eingeprügelt. Gestern bekräftigte Cornelia P. ihre Vorwürfe noch einmal im Gerichtssaal.

Wolfgang und Cornelia P. hatten sich bereits in der DDR kennengelernt und dort 1986 geheiratet. Zunächst sei auch alles gut gegangen. Doch nach zwei Jahren begannen die Zerwürfnisse. Wolfgang P. ließ sich 1988 scheiden und setzte sich in den Westen ab. Nach dem Mauerfall kamen beide wieder zusammen und heirateten erneut. Bald tauchten aber die alten Probleme wieder auf. "Wenn er uns nicht geschlagen hat, warf er mit Gegenständen nach uns", schilderte Cornelia P. das Eheleben mit Wolfgang P.

René P., der im Alter von 15 Jahren lieber in ein Jugendheim zog, als sich weiterhin den An- und Übergriffen seines gewalttätigen Stiefvaters auszusetzen, bestätigte die Schilderungen seiner Mutter.

Wolfgang P., ein korpulenter, zur Kahlköpfigkeit neigender Mann, der sein Resthaar zum Pferdeschwanz gebunden trägt, bestritt vehement, besonders brutal gewesen zu sein. Er habe zwar schon einmal "zugelangt", aber nur, wenn die Kinder Blödsinn gemacht hätten. Er habe sie jedoch weder bedroht, noch über Gebühr beschimpft oder geschlagen. Laut Wolfgang P. trage vielmehr Cornelia P. die Schuld an allen Eheproblemen, weil sie seine Verbote angeblich unterlaufen und die Kinder zum Lügen angestiftet haben soll. Darüber hinaus habe sie hinter seinem Rücken Schulden gemacht. Ob und inwieweit die Kammer diesen Behauptungen Glauben schenkt, bleibt abzuwarten. Das Urteil wird am kommenden Mittwoch erwartet.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar