Zeitung Heute : Landowsky-Affäre: Entscheidung für den Machtfaktor

Gerd Appenzeller

Nein, hessische Verhältnisse gibt es bei der Berliner CDU wohl nicht. Und gegen das Volumen der von Helmut Kohl persönlich besorgten und bewegten Spendengelder sind auch die von Klaus Landowsky entgegen genommenen Briefumschläge und das nicht ganz legale schwarze Konto des damaligen Schatzmeisters Dankward Buwitt wirklich nur eher zweitrangige Sünden. Aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Zuviel Mist.

Keiner glaubt doch ernsthaft, dass das alles war, was bislang auf dem Tisch liegt. Jeder fragt: Was kommt noch? Haben Christian Neuling und Klaus Wienhold auch in anderen Jahren gespendet? Und wer war in ähnlichen Situationen, als CDU-Mitglied oder auch nur als bürgerlicher Unternehmer? Wer brauchte sonst noch von der Bankgesellschaft oder der Berlin Hyp Kredite für seine Geschäfte und wurde dabei ganz am Rande auf die Zweckmäßigkeit einer kleinen Spende für die CDU angesprochen? Oder wer bot das, in vorauseilendem Gehorsam und dem Gefühl von sich aus an, so sein Anliegen beschleunigen und befördern zu können?

Und das alles in einer Stadt, in der, millieu- und politisch bedingt, Jahrzehnte lang gekungelt wurde, dass die für diese Art des gesellschaftlich-geschäftlichen Umgangs bekannten Kölner nur neidisch sein können. Nein, nein, das ist vielleicht wohl doch erst der Anfang einer vielleicht am Ende noch viel verhängnisvolleren Affäre, als es jetzt aussieht. Die Besen, mit denen Klaus Landowsky vor einigen Jahren einmal die letzten sozialistischen Wärmestuben Brandenburgs auskehren wollte, werden nun bei der CDU gebraucht - und in den beiden Büros des mächtigsten Mannes der Berliner CDU.

In beiden Büros? Ja, in beiden. Glaube doch niemand, dass der freiwillige Verzicht auf den Vorstandsposten bei der Berlin Hyp Landowskys Dilemma beseitigen würde und er sich fortan ungestört und von allen Verdächtigungen frei auf die tagfüllende Aufgabe des Unionsfraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus konzentrieren dürfte, als sei nichts geschehen. Es wird ein anderer Klaus Landowsky sein, der künftig in Hintergrundgesprächen Fäden knüpft und Kontakte anbahnt. Messlatte bleibt sein bis dahin untadeliger Ruf. Was immer er tut, Landowsky wird auch künftig an seinem eigenen Anspruch an sich selbst gemessen werden. Und so wird, was früher seine Stärke war, sich nun gegen ihn richten und ihn verwundbar machen.

Die persönliche Glaubwürdigkeit, die Integrität, die mit Chuzpe gelebte Bonhomie, all das hatte man ihm ja abgenommen. Schlitzohr, politisches Urgestein, der Pate von Berlin, der Macher - so nannte man ihn voller Respekt und er hörte es nicht ungern, kokettierte durchaus mit einer Mischung aus demonstrativer Bürgerlichkeit und kaum versteckter Listigkeit. Noch geht die eigene Partei nicht auf Distanz zu ihm. Sie braucht Landowsky, diese Symbolfigur für die Verankerung der Union im Bürgertum, diesen Garanten des Widerstandes gegen den Zeitgeist. Vor allem aber braucht sie den Organisator der Macht. In dieser Rolle ist er unschlagbar. Das weiß auch der Koalitionspartner SPD. Peter Strieders überraschende Zurückhaltung ist ein Indiz dafür. Und die Empörung, mit der sich Grüne und PDS zu der Spendenaffäre äußern, speist sich weniger aus deren moralischer Rigorosität als aus der Hoffnung, den starken Mann der CDU endlich ins politische Abseits drängen zu können. Dabei wären doch alle froh, hätten sie in ihren Reihen ein Naturtalent wie ihn.

Der Regierende Bürgermeister weiß das, denn im Gegensatz zum Rest des CDU-Vorstands hat er seine Priorität klar benannt. Landowsky solle die Fraktion weiter führen, war seine Bitte. Indem der auf den Posten bei der Bank verzichtet, hält er Diepgen die Treue. Er räumt aber auch, unausgesprochen, damit ein, wem er dieses Amt - neben seiner unbestrittenen Tüchtigkeit - zu verdanken hatte: der CDU, die er, die ihn stark gemacht hatte. Natürlich wird man uns das anders erklären: Als großmütigen Entschluss im Interesse der Partei, als generösen Dienst an der gemeinsamen Sache. Für den Moment mag das wahr sein. Wie lange es gilt, wird sich zeigen, wenn wir wissen, ob wir schon die ganze Wahrheit kennen.

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