Zeitung Heute : Landsberger Arkaden: Das zweite Leben vor dem ersten

Harald Olkus

Sie sind noch nicht einmal fertig und haben trotzdem schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich - die Landsberger Arkaden. Ursprünglich waren sie als Einkaufszentrum mit Hotel, Büros und Fachschule geplant.

1996 wurde mit dem Bau einer postmodernen Mischung aus Trutzburg und Legoland an der Landsberger Allee begonnen. Bereits Ende 1997 sollte das Einkaufszentrum eröffnet werden, die Planung stammte von Aldo Rossi. Mit dem italienischen Star-Architekten arbeitete der Bauherr, das Münchener Investorenpaar Kottmair, auch am Quartier Schützenstraße an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg. Außerdem wollte das Gespann das Projekt "Cirque du Soleil" an der nordöstlichen Ecke des Leipziger Platzes auf dem ehemaligen Wertheim-Grundstück verwirklichen.

Doch ein Jahr später lief an der Landsberger Allee die Baugrube voll Wasser, der Bauherr trennte sich von seiner Baufirma. Und damit nicht genug der Schwierigkeiten. Architekt Aldo Rossi kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Kottmairs gaben auf und verkauften den Rohbau. Der neue Eigentümer zog die Notbremse und verhängte einen Baustopp, als er merkte, dass das ursprüngliche Konzept als Einkaufszentrum nicht mehr tragfähig war. Nur für rund die Hälfte der Flächen hätten sich Mieter gefunden, denn an der Landsberger Allee gab es zu diesem Zeitpunkt schon zu viele leerstehende Einzelhandelsflächen. So wurde das 300-Millionen-Mark-Projekt zur Investitionsruine.

Zwischenzeitlich gab es sogar Pläne, das Gebäude als Verwaltungssitz des neuen Großbezirks Lichtenberg und Hohenschönhausen zu nutzen. Doch zum einen lehnte die Finanzverwaltung ab und zum anderen konnte man sich mit dem damaligen Eigentümer nicht über die Miethöhe einigen. Für ein neues Konzept brauchte es offensichtlich auch einen neuen Investor. Der fand sich mit der emsländischen Lügro Projektgesellschaft, die den Rohbau im vergangenen Herbst erwarb und zusammen mit der Hotelkette Astron als Betreiber zum zweitgrößten Kongresshotel der Stadt ausbauen will.

Für 150 Millionen Mark Gesamtinvestition sollen nun 570 Zimmer und eine Penthouse Suite in der zwölften und 13. Etage des 65 Meter hohen Eckturms entstehen. Die Architektur Aldo Rossis werde dabei "so weit es geht" übernommen, sagt Projektleiter Torsten Mayer von der Unternehmensgruppe Lügro. "Die farbenprächtige Fassade in Rot, Gelb und Grün soll erhalten bleiben, kleinere Veränderung könnten sich im Hinblick auf die veränderte Nutzung aber ergeben", sagt Mayer. Aldo Rossi hatte den Komplex als Karree mit vor- und rückspringenden Fassaden, vier Ecktürmen, den Rossi-typischen Fenstergauben auf dem Dach, Säulen am Eingang und rundumlaufenden Arkaden geplant.

Neue Planung

"Zumindest der Eingangsbereich an der Landsberger Allee soll jetzt komplett verglast werden und so eine "helle, luftige Eingangssituation bilden", sagt Ursula Schelle, die Pressesprecherin des Betreibers Astron. Im Innern werde das Objekt aber vollkommen umgeplant und der von Aldo Rossi entworfene Innenhof ab der zweiten Etage mit einer Glaspyramide überdacht. Darunter befinden sich neben der Lobby verschiedene Restaurants - mit italienischer, Berliner oder asiatischer Küche - und eine "American Sportsbar", in der interessierte Gäste Sportveranstaltungen am Bildschirm verfolgen können.

Kernstück des "Astron Hotel and Convention Center Berlin", wie die Landsberger Arkaden nun heißen, ist ein sieben Meter hoher und 1000 Quadratmeter großer Konferenzsaal, der aufgrund variabler Wände auf über 2000 Quadratmeter vergrößert und für Messen, Ausstellungen, Bankette oder Empfänge genutzt werden kann. Weitere 36 Konferenzräume verschiedener Größe und 20 Workshop-Räume gehören ebenfalls zum Kongresszentrum. Ob die Inneneinrichtung ähnlich postmodern ausfallen wird wie die Fassade, sei bislang noch nicht festgelegt und müsse mit dem Betreiber Astron abgestimmt werden, sagt Torsten Mayer.

Zum Service im Vier-Sterne-Hotel gehört neben einem 700 Quadratmeter großen Buffet- und Frühstücksrestaurant auch der Wellness-Bereich in der achten und neunten Etage des Komplexes. "Dort gibt es ein Schwimmbad mit Sauna, Solarium und Fitnessraum - alles mit Blick über die halbe Stadt", sagt Ursula Schelle.

Eigentlich sollten die Arbeiten am Rohbau bereits im November wieder aufgenommen werden. Doch die Lügro hat den Bau erst einmal winterfest gemacht. Mit der Sanierung der Fassade und des Daches könne voraussichtlich erst im April begonnen werden, teilt das Unternehmen mit. Derzeit befinde man sich noch in der Umplanungsphase. Für die Projektsteuerung zeichne die Firma Drees und Sommer verantwortlich, die auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Die Eröffnung soll nach aktueller Planung im Herbst kommenden Jahres erfolgen.

Astron setzt mit seinem Convention Center auf die derzeitigen Zuwächse im Berliner Beherbergungsgewerbe von rund 20 Prozent und die günstigen Prognosen von Immobilien-Fachleuten, die von einer weiteren positiven Entwicklung des Hotelmarktes in Berlin ausgehen. Zudem sei die "Lage des Projektes mit seiner Nähe zur Innenstadt, zu den Flughäfen und der direkten Verkehrsanbindung mit S- und Straßenbahn eine optimale Voraussetzung für internationale Kongresse", meint die Pressesprecherin. Bei der Lügro geht man davon aus, dass der Standort "nicht nur aufgrund der derzeitigen Marktsituation, sondern auch aus langfristigen Erwägungen ideal" sei.

Die Unternehmensgruppe Lügro aus Twistringen im Emsland baut bundesweit Hotels, Einkaufszentren, Seniorenpflegeheime, Büro- und Geschäftshäuser und Ferienwohnanlagen. Auch in Berlin hat das Unternehmen bereits einige Objekte auf den Weg gebracht. Unter anderem befinde sich in der Charlottenburger Kantstraße ein Seniorenpflegeheim kurz vor der Fertigstellung. Weitere Projekte in Berlin seien in Planung.

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