Zeitung Heute : "Landurlaub in Brandenburg": Fontane hätte die Broschüre im Gepäck gehabt

Günther Brüggemann

Theodor Fontane hätte sie sicherlich in sein Reisegepäck gesteckt: die neue Gastgeberbroschüre "Landurlaub in Brandenburg". Der Katalog beschreibt 230 Landhotels und Pensionen. Auch 80 Adressen von Landwirten, die ihre Produkte direkt auf dem Hof verkaufen, sind in dem Verzeichnis enthalten. Fontane, der gerne durch die Mark streifte, wüsste also sofort, wo er übernachten und frische Eier, Brot oder Fleisch bekommen könnte.

Auf seiner Wanderung quer durch das Ruppiner Land käme Fontane sicher an der Landpension und dem Bauernhof von Martina und Ronald Koch in Großmutz (Oberhavel) vorbei. Den Hof, der auch in der neuen Broschüre genannt ist, führen die Kochs seit 1995 im Haupterwerb. 1998 bauten sie den märkischen Vierseitenhof für knapp 100 000 Mark zu einer Pension aus. "Die Gewinnspanne in der Landwirtschaft wird doch immer geringer, und diese Situation wird sich gerade nach den BSE-Vorfällen nicht verändern", begründet Ronald Koch seinen Nebenjob als Gastgeber.

In der Pension entstanden vier Ferienwohnungen zwischen 20 und 40 Quadratmetern mit insgesamt acht Betten, ein Aufenthaltsraum, eine Küche und ein Partykeller. Die Auslastung von bis zu 70 Prozent stimmt die Kochs "sehr zufrieden". Auch ehemalige Gäste kämen zu Besuch, etwa zum Hof-Schlachtfest. "So baut man sich einen Kundenstamm auf", sagt der Agraringenieur.

Auffallend sei, bemerkt Koch, dass sich in der Hauptsaison viele Großeltern mit ihren Enkelkindern in die Zimmer einquartierten. Morgens und abends nimmt Koch die Kleinen mit auf die Weide zu seinen 100 Rindern und lehrt sie den Unterschied zwischen Ochse und Bulle oder Kuh. Die Kids können auch die Ställe ausmisten, die Tiere füttern und sich um den Streichelzoo mit Schafen und afrikanischen Zwergziegen kümmern. Diese kommen aus der Krebsforschung des Berliner Max-Planck-Instituts und erhalten auf dem Hof ihr Gnadenbrot.

Koch weiß aber, dass ein "Händchen für Gäste" als Urlaubsreiz allein viel zu wenig ist. "Die Städter wollen kleine Besonderheiten erleben, um aufs Land hinauszufahren", sagt er. Anderen Landwirten, die "Urlaub auf dem Bauernhof" anbieten wollen, rät er zur Vorsicht. "Der Markt ist gesättigt und genügend Zimmer sind vorhanden."

Joachim Fiebelkorn, Geschäftsführer des Vereins Landurlaub in Brandenburg, sieht das anders. Brandenburgs Anbieter der ländlich und landwirtschaftlich geprägten Urlaubsform brauchten "mehr Anbieter und mehr Betten". Die zumeist von Familien geführten Kleinbetriebe müssten sich jedoch stärker profilieren und für den "städtisch geprägten" Besucher unterscheidbarer werden. Im Jahr 2000 seien zirka eine Million Übernachtungen bei einem Gesamtumsatz von 107 Millionen Mark gezählt worden, der Landtourismus erfreue sich demnach "zunehmender Beliebtheit". In diesem Jahr arbeiteten 1070 Menschen im ländlichen Tourismus.

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