Zeitung Heute : Lange Nacht, schlaue Nacht

Angela Bittner

Warum hast du so große Ohren? fragt Rotkäppchen am Bett der Großmutter. Der böse Wolf hat die alte Dame verschlungen und unter ihrer Nachthaube bauschen sich seine großen Lauscher. Die wissenschaftliche Antwort, die Rotkäppchen nie hörte: Wölfe, Füchse und Hunde können mit ihren steil aufgestellten Lauschern sehr viel besser als Menschen Geräusche wahrnehmen – um rechtzeitig zuschnappen oder fliehen zu können, wenn sich eine Beute oder ein Feind nähert. Welche Bedeutung die Form der Außenohren für die Wahrnehmung von Umweltgeräuschen und arteigenen Rufen hat, zeigen Forscher in der Langen Nacht der Wissenschaften am Samstag, dem 13. Mai 2006, an der Humboldt-Universität. Mit Hilfe eines künstlichen Hundekopfes können die Besucher die Welt einmal im Leben mit Hundeohren hören.

Der Mensch ist nicht immer am besten seiner Umwelt angepasst, sein Rücken ist eine seiner berüchtigsten Schwachstellen. Wie viel ein menschlicher Rücken an Belastung aushält, zeigen bei der Leistungsshow der Berliner Wissenschaft die Spinewatchers, das Rückenteam des Instituts für Sportwissenschaften. An Freiwilligen wird analysiert, ob sie Bierkisten rückengerecht tragen und ob sie sich im Büro richtig bewegen. Ziel ist es, Menschen zu helfen, ihre alltags- oder berufsbedingten Bewegungen rückengerecht zu gestalten.

Schnell altern kann man auch in dieser Nacht der Wissenschaften. In Minutenschnelle können sich die Besucher in eine Greisin oder einen Greis verwandeln. Sie müssen dafür einen Anzug anziehen, und schon werden die körperlichen Einschränkungen des Alters spürbar. Wissenschaftler erklären, wie man dennoch die Lebensqualität im Alter halten kann.

Im Zentrum Antike Welt kann einem unanständigen antiken Dichter gelauscht, können Spiele aus vergangenen Epochen gespielt oder der antike Heilschlaf näher kennen gelernt werden. Bestimmte Rituale, die medizinisch wirksam sein sollten, hatten über Jahrhunderte Tradition. Eines dieser Rituale ist die Fußwaschung bei Betreten eines Heiligtums und einer christlichen Kirche. In der Langen Nacht gibt es diesen Service auch in der Universität.

Was passiert im Kopf, wenn ein Mensch lernt? Die Besucher können an einem Experiment teilnehmen, bei dem sie lernen, wie man eine Computersimulation beherrscht, die von vielen Unternehmen in Assessment-Centern zur Personalauswahl eingesetzt wird. Am Anfang und am Ende des Versuches wird das Wissensnetz der Besucher gemessen und dreidimensional visualisiert. So erhält man einen plastischen Eindruck ihrer Wissensverarbeitung und erfahren, was in einem Assessment-Center auf sie zukommt.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft blicken die Forscher am Museum für Naturkunde in die Spinnentierwelt der WM-Teilnehmerländer 2006. In Adlershof kicken Roboterhunde. Geklärt wird auch die Frage, in welcher Minute des Spiels die meisten Tore geschossen werden. In über 70 Projekten werden 500 Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fragen beantworten. Und für die Antworten braucht man eventuell große Ohren.

Mehr Informationen im Internet:

www.langenachtderwissenschaften.de

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