Zeitung Heute : Langer Leidensweg

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Zu Beginn des Ersten Weltkriegs befand sich das Osmanische Reich in Auflösung. Die Armenier strebten nach Gleichberechtigung und Gleichstellung vor dem Gesetz. In einigen Städten kam es zu Unruhen und Aufständen. Am 24. April 1915 wurden in Konstantinopel (Istanbul) mehrere Hundert armenische Intellektuelle verhaftet: Ärzte, Politiker, Schriftsteller, Publizisten, Priester und Apotheker. Als Vorwand diente die Behauptung, dass die Armenier dem Kriegsgegner Russland in die Hände spielten und sich mit den Zarentruppen gegen die Türken verschworen. Ein Großteil der armenischen Elite wurde hingerichtet. Doch das war nur der Auftakt: Bis Juli 1915 wurde die armenische Bevölkerung an sieben Orten im Norden des heutigen Syriens und des Irak konzentriert, um dort gleichfalls ermordet oder auf Todesmärsche nach Aleppo und in die Wüste geschickt zu werden. Bis 1917 starben dabei zwischen 800000 und einer Million Menschen, rund eine halbe Million konnte fliehen.

Im Mai 1918 wurde im russischen Einflussgebiet ein armenischer Staat gegründet, die spätere Armenische Sowjetrepublik. Im Vertrag von Sèvres zwischen der Türkei und den Westalliierten wurde 1920 ein unabhängiger armenischer Staat vorgesehen, der große Teile Ostanatolien einschloss. Doch die Türkei wollte diesen Staat um jeden Preis verhindern. Weitere Pogrome folgten. So marschierten türkische Truppen in den Kaukasus ein, wo die russische Schutzmacht durch Revolution und Bürgerkrieg geschwächt war. Wieder wurden 175000 Armenier umgebracht. Erst die Rückkehr der Roten Armee beendete den Massenmord. Armenien ist seit 1991 unabhängig, gehört aber zu den GUSStaaten. Heute leben dort auf einer Fläche so groß wie das Land Brandenburg rund drei Millionen Menschen. Sechs Millionen Armenier leben darüberhinaus auf der ganzen Welt verstreut, die meisten in den USA und in Frankreich.HS

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