Zeitung Heute : Langsam verändert sich die Skyline

Rund um den Breitscheidplatz wird kreiert, gebaut und saniert

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Das Baugeschehen in der CityWest wirkt sich auch auf die Lange Nacht des Shoppings aus: Der Kulturmarkt mit Ständen von Theatern und anderen Institutionen gastiert erstmals auf dem neu gestalteten Joachimstaler Platz statt auf dem größeren Breitscheidplatz. Bis vor kurzem wäre dies noch unmöglich gewesen. Die Fläche neben der denkmalgeschützten Verkehrskanzel diente als Parkplatz, der jetzt aufgegeben wurde und Passanten zum Verweilen einladen soll. Für die vom Bezirksamt angestrebte Freiluft-Gastronomie hat sich allerdings noch kein Wirt gefunden. Also wird nur der Kulturmarkt vorübergehend das öffentliche Areal beleben.

Hinzugekommen ist bei der Umgestaltung des Platzes auch ein Raster farbiger Kunststoff-Streifen auf den Gehwegplatten. Nachts wird die Installation des Schweizer Landschaftsarchitekten Guido Hager von Lampenmasten aus beleuchtet und soll „sanft schimmernd“ an einen Rasen erinnern. Die Verkehrskanzel aus den 50er Jahren und der Zeitungskiosk darunter wurden denkmalgerecht saniert. Außerdem modernisierte die Firma Wall die Toilette im Eingangsbau des U-Bahnhofs Kurfürstendamm für 360 000 Euro.

Die meisten Umbauten hatte die Firma Grothe mit rund 500 000 Euro finanziert. Hans und Thomas Grothe sind momentan die aktivsten Bauherren in der Gegend. Nach dem 2001 eröffneten Neuen Ku’damm-Eck entsteht jetzt an der Ecke Augsburger und Joachimstaler Straße ein Hotelhochhaus für die französische Concorde-Gruppe. Der Bezirk genehmigte 17 Etagen statt der ursprünglich geplanten elf Geschosse – sehr zum Leidwesen des Schauspielers Manfred Krug, der nebenan in einem Dachgeschoss an der Marburger Straße wohnt. In einem Tagesspiegel-Gespräch hatte Krug beklagt, Hotelgäste könnten ihm bald „in Töpfe und Pfannen gucken“; außerdem werde seine Wohnung verschattet.

Grothe plant derweil schon weiter. Der TU-Altbau an der Joachimstaler Straße 35 soll durch ein glasverkleidetes Gebäude dahinter ergänzt werden. Auf 13 000 Quadratmetern sind Büros, Räume für Dienstleistungsanbieter und kulturelle Nutzungen vorgesehen. Die Höhe des Neubaus ist jedoch umstritten: Die meisten Bezirkspolitiker wollen statt der geplanten zehn Etagen nur sieben bis acht erlauben.

Zwei Straßenblocks entfernt wächst an der Joachimstaler Straße / Ecke Kantstraße derzeit das „City Light House“ heran, das die Schweizer Großbank Credit Suisse von der ursprünglichen Investorenfirma OFB übernommen hat. Die Grundsteinlegung für das achtstöckige Geschäftshaus wurde während der vorigen Langen Nacht des Shoppings im Oktober gefeiert. Bis Ende dieses Jahres sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Die benachbarte Baustelle für das „Zoofenster“-Hochhaus liegt seit einem dreiviertel Jahr brach. Bisher existiert nur die Baugrube. Der Kölner Investor Dr. Ebertz und Partner hatte die Arbeiten gestoppt, nachdem Hilton als Hotelbetreiber abgesprungen war. Bei den Verhandlungen mit anderen möglichen Betreibern gebe es „noch nichts Neues“, teilte ein beteiligtes Ingenieurbüro mit. Das Hotel mit 410 Zimmern soll 30 Etagen in dem 118-Meter-Bau einnehmen. In fünf Etagen sind Büros vorgesehen. Den Wunsch des Bezirksamts nach Wohnungen lehnt der Investor ab.

Einem weiteren 118-Meter-Hochhaus mit Büros und Läden soll das so genannte Schimmelpfeng-Haus über der Kantstraße weichen. Das Grundstück gehört der Firma Casia – einer Tochtergesellschaft der Rheinischen Hyp, die wiederum zur Commerzbank gehört. Der Bauantrag war ursprünglich für dieses Frühjahr angekündigt, kann nach Auskunft des Investors aber frühestens Anfang 2004 gestellt werden. Derzeit laufe das Verfahren zur Änderung des Planungsrechts.

Den Zoobogen an der Budapester Straße will die Bayerische Immobilien AG modernisieren. Dabei geht es um das „Bikini-Haus“ mit seiner Ladenpassage, das Eckhaus am Hardenbergplatz und das frühere Kugelkino, aus dem die Talkshow „Sabine Christiansen“ gesendet wird. Laut Firmensprecher Thomas Emt will der Bauherr bis zum Sommer zunächst klären, „in welche Richtung das Projekt geht“. Ein Baubeginn sei noch nicht absehbar.

Immer weiter verzögert sich die Umgestaltung des Breitscheidplatzes, weil sie erst beginnen soll, wenn die privaten Projekte starten. Die Senatsbauverwaltung plant auch die Schließung des Autotunnels unter der Budapester Straße. CD

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