Zeitung Heute : Last der Geschichte

Auch in Namibia wollen die Schwarzen ihr Land von den Weißen wiederhaben

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Seit mehr als 100 Jahren wird im südlichen Afrika ein erbitterter Kampf um das Land gefochten. Obwohl Simbabwe in diesem Prozess einen Sonderfall darstellt, gibt auch die Lage in Namibia, dem früheren Deutsch-Südwestafrika, zur Sorge Anlass. Zwar folgt die Regierung in Windhuk im Zuge der Landumverteilung bislang einem rechtsstaatlichen Weg, doch haben einzelne Mitglieder der regierenden South West African Peoples Organisation (Swapo) unter dem Eindruck der Ereignisse in Simbabwe in den letzten beiden Jahren radikalere Töne angeschlagen.

Mitglieder des Veteranenverbands der Swapo fordern zum Beispiel, vom Grundsatz des freiwilligen Verkaufs und einer adäquaten Reparationszahlung abzurücken und Entschädigung allenfalls für die von den Landwirten im Nachhinein errichtete Infrastruktur zu leisten. Schließlich hätten die „Kolonialisten“, so die Argumentation, das Land nicht gekauft, sondern sich gewaltsam angeeignet. Eine fast identische Argumentation verwendet auch die Regierung in Simbabwe zur Rechtfertigung der gegenwärtigen Zwangsenteignungen.

Erschwerend kommt hinzu,. dass Staatspräsident Sam Nujoma als enger Freund und Bewunderer von Mugabe gilt. Zwar ist Nujoma nach außen hin auf Ausgleich bedacht, doch neigt er bisweilen zu äußerst scharfen Ausbrüchen gegen die weiße Minderheit, die er häufig als „Siedler“ bezeichnet. Nicht wenige Beobachter sind der Ansicht, dass Nujoma vor allem von besonnenen Beratern wie Premierminister Hage Geingob von einem schärferen Vorgehen in der Landfrage abgehalten wird. Zudem dürften auch dem namibischen Präsidenten die verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Landpolitik Mugabes nicht verborgen geblieben sein.

Bislang hat sich die namibische Regierung jedoch an rechtsstaatliche Grundsätze gehalten und die Unabhängigkeit der Gerichte respektiert. Geregelt wird die Landreform von zwei Gesetzen und einem Fonds der Regierung, in den diese jährlich etwa drei Millionen Euro einzahlt. Daneben erwägt die Regierung die Einführung einer Landsteuer.

Die Vorbehalte der Swapo richten sich auch gegen deutsche Landwirte. Gegenwärtig gehören rund ein Drittel der etwa 4000 Großfarmen den Nachfahren deutscher Siedler. Kritisiert wird, dass eine Reihe von ihnen mehr als eine Farm bewirtschaftet. Verschärft wird die Lage von etwa 400 Ausländern, darunter auch vielen Deutschen, die ihre Höfe nicht selber bewirtschaften, sondern sie als Jagdfarmen oder zu Erholungszwecken nutzen. Dies hat zur Forderung nach Enteignung „unproduktiver Farmen“ geführt.

Bislang hat Deutschland eine finanzielle Unterstützung der Landreform abgelehnt. Als größter Geber von Entwicklungshilfe erkennt Deutschland aber eine besondere historische Verantwortung für das 1990 unabhängig gewordene Namibia an.

Gegenwärtig verdienen knapp 90 Prozent der 1,7 Millionen Namibier ihren Unterhalt auf dem Land, tragen aber nur drei Prozent zum Sozialprodukt bei. wdr

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