LATIN LOVERJonas Kaufmann in „La Bohème“ : Höhenflieger

Carsten Niemann

Nicht nur musikalisch sind sie die derzeit wohl angesagtesten beiden Latin-Lover-Typen der Klassikszene. Und ab Samstag werden sie sogar gemeinsam und nur vom Orchestergraben getrennt in Puccinis „La Bohème“ auftreten, um dort die Gefühle der schwindsüchtigen Protagonistin Mimi sowie ihres eigenen weltweit wachsenden Fanpublikums anzuheizen. Die Rede ist von dem 27-jährigen venezolanischen Dirigenten Gustavo Dudamel und dem 1969 in München geborenen Tenor Jonas Kaufmann (Foto).

Gustavo Dudamel bringt dabei nicht nur ein vulkanisches Temperament an die Staatsoper: Im venezolaischen Jugendorchesterprogramm aufgestiegen, das sozial vernachlässigten Jugendlichen eine neue Perspektive eröffnete, ist er zur Symbolfigur einer ebenso authentischen wie jugendlich-ursprünglichen Klassikbegeisterung geworden. Gespannt darf man sein, ob er Giacomo Puccinis sozialkritisch angehauchtem aber letztlich durchaus kulinarisch genießbarem Drama einen glaubhaften sozialen Impetus verleihen kann. Der stilistisch äußerst vielseitige und intelligent gestaltende Jonas Kaufmann, dessen Debüt-Album „Romantic Arias“ gerade die Klassik-Charts erobert, verkündet Aug und Ohr die gute Botschaft, dass Romantiker viril und Operntenöre sportlich lässig daherkommen können. Zu welchen Höhenflügen Kaufmann und der bereits als Chef des Los Angeles Philharmonic designierte Dudamel noch ansetzen werden, wird derzeit ebenso leidenschaftlich diskutiert wie die Frage, ob sie ihre Kräfte dabei wohl richtig zu fokussieren wissen. Kein Grund natürlich, die beiden in ihrer Blüte zu verpassen. Carsten Niemann

Staatsoper, Sa 16.2., 19.30 Uhr, 20 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar