Zeitung Heute : Latinisten lehren das Gruseln

Monster und Mikrokosmos in der Langen Nacht der Wissenschaften

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Wussten Sie, dass Hunger monströse Züge annehmen kann? Da ist zum Beispiel der sagenumwobene König Midas. Als die olympischen Götter ihm die Erfüllung eines Wunsches gewährten, verlangte er nach sehr viel Gold: Alles solle sich fortan in das edelste aller Edelmetalle verwandeln, was er berühre. Wie schön, doch bald erkannte der König die Torheit seines Begehrens, denn auch sein Essen wandelte sich zu Gold. Armer König, doch der Gott Dionysos hatte Erbarmen, und so musste Midas nicht verhungern.

Viel schlimmer erging es Erysichthon: Den straften die Götter der Griechen mit unersättlichem Appetit, weil er in den heiligen Hain der Göttin Demeter eindrang, dort Bäume fällte und diese in einen Esstisch verbaute. Nachdem sein ganzes Vermögen fürs Essen verschwendet war, verkaufte er sogar seine Tochter. Und dann geschah etwas noch Furchtbareres, aber das kann an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Eines ist klar: Heute kommen Umweltsünder viel einfacher davon.

Wer mehr über diese düsteren Geschichten erfahren und Hexenrituale kennen lernen will, sollte sich auf jeden Fall bei den Latinisten der Humboldt-Universität im Hauptgebäude einfinden. Die zeigen unter dem Titel „Monster, Hexen, Wahnsinnige“ die dunkle Seite der Antike – untermalt mit modernen Opernausschnitten. Wer ein Faible für blutrünstige Gestalten wie Nero und Caligula hat, kommt ebenfalls auf seine Kosten.

Dieses und 50 weitere Projekte präsentieren Mitarbeiter der Humboldt-Universität zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 12. Juni von 17 bis 1 Uhr in Mitte, Adlershof und Wedding. Das Spektrum der Themen ist breit. Die Wirtschaftswissenschaftler wenden das von vielen Studenten gefürchtete Fach Statistik im Alltag an und fragen, was künstliche Befruchtung, Spaceshuttles und Rentenhöhe gemeinsam haben. Die Zoologen unternehmen mit den Besuchern Expeditionen in den Mikrokosmos (beide Veranstaltungen im Hauptgebäude).

Nach Adlershof sollten die Surfer und Segelfreunde fahren. Dort klären die Geographen in ihrem Institut über „Windszenarien am Müggelsee“ auf. Ob es dort auch zu Tornados kommen könnte, lassen die Wissenschaftler erst mal offen. Genetische Feinheiten über die Klonierung pflanzlicher Embryonen lernen Interessenten im Arboretum Baumschulenweg. Und wer es besinnlich mag, schaut am besten im Berliner Dom vorbei: Auch dort finden Vorträge statt. HU

Das Programm der HU im Internet:

www.langenachtderwissenschaften.de

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