Zeitung Heute : Laufbahnen um ein Fußballfeld

Der Tagesspiegel

Wenn Dieter Hoeneß im Berliner Olympiastadion sitzt, dann schaut er am liebsten nur aufs Spielfeld. „Die Tribünen sehen aus, als ob da eine Bombe reingeflogen ist“, sagt der Manager von Hertha BSC. Seit zwei Jahren blicken die Fußballfans auf Baugruben. Die Stimmung ist schlecht, die Zuschauerzahlen sinken. Doch der Umbau dauert noch zwei Jahre. Erst im Sommer 2004 soll das Stadion mit der Gala des Deutschen Turnfestes eröffnet werden.

Nach Berlins verpatzter Bewerbung um die Leichtathletik-WM 2005 stellt sich allerdings die Frage: Ist der Umbau falsch geplant worden? Das Stadion wird auch zur Leichtathletik-Arena, doch Weltmeisterschaften finden dort nicht statt. Und das Istaf, Deutschlands größtes Stadionfest, ist pleite. Wozu also Laufbahnen um ein Fußballfeld?

„Die Tartanbahnen zahlen sich noch aus“, versichert Rudi Thiel. Der frühere Istaf-Chef hatte sich Ende der Achtzigerjahre massiv für eine Multifunktions- Arena eingesetzt. Thiel, der noch in Nairobi weilt, wo Berlins WM-Bewerbung scheiterte, ist sich sicher: „Das Istaf findet weiter statt.“ Die gleiche Hoffnung hat der Landessportbund. Präsident Peter Hanisch sagt: „Nach der Niederlage müssen wir nun das Istaf retten.“ Dazu müsse aber das Management reformiert werden: „Mit der alten Laienspielschar wird das nichts.“

Die Politik teilt diese Einschätzung. Sportsenator Klaus Böger (SPD) regt an, dass sich Berlin um die nächsten Leichtathletik-Weltmeisterschaften bewirbt. „Wir haben das Stadion so konzipiert, dass wir auch eine Niederlage verkraften können“, sagt Böger, „bei anderen Großveranstaltungen wird sich zeigen, dass wir hier kein Geld verschwenden.“ Und auch im Bundesinnenministerium weist man den Vorwurf der Fehlplanung zurück. „Wir legen Wert auf sportliche Vielfalt“, sagt eine Sprecherin, „ein reines Fußballstadion hätten wir nicht mit diesen Summen gefördert.“

Der Umbau des Olympiastadions kostet 242 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 196 Millionen Euro, für den Rest bürgt das Land. Bei der Fußball-WM 2006 wird hier wohl das Endspiel stattfinden. Die Politik hofft auch noch auf andere Ereignisse. Berlins SPD-Sportpolitikerin Karin Seidel-Kalmutzki sagt: „Wir geben die Hoffnung auf Olympia nicht auf.“ Und im Landessportbund heißt der Plan: „Olympia im Jahr 2020 plus X“. Ob das Dieter Hoeneß tröstet? Robert Ide

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