Zeitung Heute : Lauschiges Plätzchen in luftiger Höhe

Nicht nur Kinder lieben Baumhäuser als Rückzugsraum weit oben – was es beim Bau zu beachten gilt.

Simone Andrea Mayer
Nur die Wipfel sind noch höher. Damit der Aufenthalt hoch oben sicher ist, sollten Baumhäuser nur in gesunde, mittelalte Bäume mit großer Krone gebaut werden.  Der Boden darunter sollte so beschaffen sein, dass er Stürze abfedert – falls doch mal jemand fällt. Foto: dpa
Nur die Wipfel sind noch höher. Damit der Aufenthalt hoch oben sicher ist, sollten Baumhäuser nur in gesunde, mittelalte Bäume mit...Foto: dpa-tmn

Nur die Baumwipfel, in denen die Vögel ein Konzert geben, sind noch höher: Wie ein Schloss in luftiger Höhe wirkt ein Baumhaus. „Man hat das Gefühl, zwischen zwei Welten zu sein, wenn man auf einen Baum klettert. Man ist nicht unten auf dem Boden, und man ist logischerweise nicht oben im Himmel – man ist also zwischen Himmel und Erde“, beschreibt der Architekt Andreas Wenning aus Bremen das Gefühl im Baumhaus. Kinder finden dort ein Reich nur für sich, außerhalb der Reichweite der Erwachsenen. Aber auch viele Ältere wünschen sich so einen Rückzugsraum: „Es ist für sie ein ungewöhnlicher Ort, wo sie zu sich finden können.“

Einige Firmen bauen solche Baumhäuser in großen, alten Baumbeständen. Auch Andreas Wenning entwirft die Kindheitsträume für Erwachsene. Eines seiner Konstrukte hat eine Terrasse in drei Metern Höhe, darüber gelangt man über eine kleinen Stiege in das einen Meter höher gelegene Baumhaus. Ein anderes ist ein Kubus mit integriertem Badezimmer und Wohnzimmer für Wochenenden in der Natur. Auch Waschbecken, Dusche und TV-Anschluss sind dort möglich.

Es müssen nicht gleich solche Luxusimmobilien sein. Erwachsenen reicht wie Kindern auch ein einfacher Raum zum Zurückziehen. Aber sie wollen im Gegensatz zu Kindern ein gewisses Maß an Komfort: Vielleicht stelle man einen Schreibtisch oder eine Minibar hinauf, schlägt Wenning vor. Auch werden die Wände für Erwachsene gerne isoliert.

„Kinder haben eine andere Wahrnehmung und wollen alles etwas abenteuerlicher und grober haben“, sagt der Architekt. Und vor allem: Kinder wollten vielleicht noch etwas am Baumhaus verändern oder es erweitern können. Zugleich müsse ihr Baumhaus sehr robust und sicher sein. Die Aktion Das sichere Haus (DSH) in Hamburg rät daher: Der Boden unter dem Baum sollte so beschaffen sein, dass er Stürze abfedert. Daher werde am besten generell um Spielgeräte ab einer Höhe von 1,50 Meter eine 40 Zentimeter dicke Schicht aus Sand, Holzschnitzeln oder Rindenmulch ausgelegt.

Grundsätzlich sollte ein Baumhaus nur auf einen gesunden Baum gebaut werden, sagt Wenning. Er sollte nicht zu alt oder zu jung sein – und damit stabil genug. Der Baum sollte eine große, breit gewachsene Krone mit vielen tragfähigen Ästen haben, rät Michael Pommer, Trainer an der DIY-Academy in Köln. Gut seien Harthölzer wie Eiche oder Buche. Bei schwächeren Nadelhölzern bieten sich auch mehrere Bäume nebeneinander an, in die das Haus übergreifend gesetzt wird. „Wenn die Tragkraft der Bäume nicht ausreicht, setzen wir Stützen“, sagt Wenning. Grundsätzlich sollte man bei aufwendigen und schweren Konstruktionen einen Baumfachmann den gewählten Stamm vorher anschauen lassen.

Pläne für den Bau eines Baumhauses gibt es viele, in Büchern und im Internet. Pommer rät aber davon ab, zu versuchen, einen Standardvorschlag umzusetzen. „Jeder Baum ist anders, daher muss auch das Baumhaus individuell gestaltet werden.“ Was aber jedes Haus für Kinder haben sollte, ist ein mindestens 75 Zentimeter hohes Geländer, das die Plattform einfasst, rät das DSH. Die Latten sollten weniger als neun Zentimeter auseinander stehen.

„Holz ist der erste Werkstoff“, sagt Wenning. „Es sollte witterungsbeständig sein, wie etwa Lärche.“ Für die Fassade oder im Innenausbau könnten auch Kunststoffe oder Metalle verwendet werden. Die Unterkonstruktion für ein Baumholz sollte tragfähig sein, sagt Pommer. „Ich rate davon ab, das Baumhaus am Baum zu verschrauben. Denn der Baum wächst zum einen weiter, zum anderen hat er dann Verletzungen, die ihn absterben lassen können.“ Gerade Nägel und Schrauben aus Kupfer oder verzinktem Material schadeten dem Holz.

Bauteile, die mit Seilen oder Draht befestigt werden, sollten mit Gummischläuchen unterlegt sein, sagt Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin-Dahlem. „Direkt unter der Rinde liegen die zur Versorgung wichtigen Gefäße eines Baumes.“ Draht wachse in das Holz hinein und schnüre diese Leitungen ab.

Wenning befestigt seine Häuser so: Er bindet Textilgurte um die Äste, an die Stahlseile gehängt werden, die wiederum das Konstrukt halten. Die Seilspanner könnten laut Pommer jederzeit dem Wachstum des Baumes angepasst werden. Grundsätzlich sollte das Baumhaus so in den Baum eingefügt werden, dass er Raum zum Weiterwachsen hat – und laut Wenning sollte der Baum sich auch frei im Wind bewegen können. Das verbaute Holz sollte nicht lackiert, sondern nur lasiert werden, rät Pommer. „Das Holz ist dann geschützt, kann aber auch atmen und Feuchtigkeit abgeben.“ Er empfiehlt zudem, die Pfosten und Platten nicht mit normalen Schrauben zusammenzufügen, sondern mit Edelstahlschrauben. „Damit gibt es keine Verfärbungen durch Rost und auch Holzschäden.“

Übrigens darf nicht jeder Eigentümer ein beliebig großes Baumhaus in seinem Garten errichten: Soll das Baumhaus ein Rückzugsort für Erwachsene und damit ein richtiges Gebäude sein, könne eine Baugenehmigung notwendig sein, sagt Pommer. Die gesetzlichen Regelungen sind wie bei Gartenhäusern von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich; schon ab einer Größe von zehn Quadratmetern könne eine Genehmigung nötig sein. Auch sollten Vorschriften wie etwa zur Bebauung an Grundstücksgrenzen vor dem Bau geklärt werden. Auskünfte dazu geben die örtlichen Bauämter. (dpa)

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