Zeitung Heute : Le nouveau de Cologne

Neukölln ist zwar kein Modemekka, aber wer braucht schon Trends, wenn das Lebensgefühl stimmt?

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Neukölln dürfte, modisch gesehen, der verschrieenste Stadtteil unserer ganzen schönen Hauptstadt sein. Er steht für Jogginganzüge, rosa Leggings zum lila Polyesterpullover, islamisch korrekte Straßenbekleidung und riesige blauweiß-rotkarierte Plastiktaschen, vom Schuhwerk ganz zu schweigen. Doch der modebewusste Neuköllner lässt sich die Zwiebeln nicht aus dem Döner nehmen – er schlägt zurück!

Das tut er in Form des Labels Volksmechanik. Dieses hat derzeit genau zwei Stücke im Programm, nämlich ein T-Shirt, so rot wie die türkische Flagge, und ein unfarbenes, das man mit etwas gutem Willen auch beige nennen könnte. Sie sind aus fester Baumwolle genäht (in der Türkei, versteht sich), in S, M und L erhältlich und von solider Jungsgestalt mit rundem Halsausschnitt sowie kurzen Ärmeln. Auf die Heldenbrust ist der stolze Schriftzug „neukölln“ gedruckt, daneben prangt eine applizierte Deutschlandflagge mit türkischem Halbmond nebst Stern. Das Logo ist so einfach wie genial – man fragt sich, wieso zwischen Rixdorf und Wedding nicht schon längst jemand auf die Idee gekommen ist!

Die Macher dieses schlichten Wunderwerks multikultureller Integrationskraft liefern folgende Selbstbeschreibung: „Einer Christoph, einer Simon; einer blond, einer braun; einer Schweizer, einer Deutscher; beide Ende Zwanzig; beide machen (bald auch noch erfolgreich) Musik.“ Und pflegen das Neuköllner Lebensgefühl, damit alle was davon haben. S.N.

Bei: Café Rix, Karl-Marx-Str. 141, Konrad Tönz Bar, Falckensteinstr. 30 (Kreuzberg) und über www.volksmechanik.de

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