Zeitung Heute : Leben in Berlin wird immer gesünder

Aber die Säuglingssterblichkeit bei Ausländern ist dreimal so hoch wie bei den Deutschen

Ingo Bach

Berlin - Die Berliner leben immer länger, gesünder und werden medizinisch besser versorgt als in früheren Jahren. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht hervor, den Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Mittwoch vorstellte. Demnach dürfen Frauen auf eine statistische Lebenszeit von 82 Jahren und Männer von 76,7 Jahren hoffen. Gegenüber 1995 entspreche das einer Verlängerung der Lebenserwartung um fast drei beziehungsweise nahezu vier Jahren. Damit liegt die Hauptstadt beim Alter erstmals fast im Bundesdurchschnitt. Allerdings geht der insgesamt positive Trend an den in Berlin lebenden Ausländern vorbei.

Für die generelle gute Entwicklung gibt es mehrere Ursachen. So ist die vorzeitige Sterblichkeit von unter 65-Jährigen weiter rückläufig. Die Zahl der Todesfälle, die durch eine gesundheitsbewusste Lebensweise vermieden werden könnten – etwa Leberzirrhosen durch Alkoholmissbrauch – ist von 4000 im Jahr 1995 auf 2800 im Jahr 2006 gesunken. Die Gesundheit der Berliner habe sich generell verbessert, sagte Lompscher. Die Präventionskampagnen der Krankenkassen und des Senates entfalteten nach Meinung Lompschers Wirkung. Eine andere Ursache für die Entwicklung sei die gute medizinische Versorgung. Die Zahl der ambulanten Ärzte hat sich von 1992 bis 2006 um rund 1900 auf 7350 erhöht. Statistisch kommen auf einen niedergelassenen Arzt 463 Einwohner – in Brandenburg sind das 751.

Doch zeigen die Statistiken auch, dass der soziale Status für den Gesundheitszustand der Bevölkerung weiterhin der entscheidende Faktor ist, sagte Lompscher. Ein Hinweis dafür ist die Lebenserwartung in den Bezirken: So beträgt sie bei einem Mann im als relativ wohlhabend geltenden Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf 78,5 Jahre, in Friedrichshain- Kreuzberg dagegen mehr als vier Jahre weniger.

Erstmals wurde in dem Basisbericht der Schwerpunkt auf den Gesundheitszustand von Ausländern gelegt. Hier ergibt sich ein anderes Bild. Die Sterblichkeit von Säuglingen ausländischer Eltern ist dreimal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung. Auch die Todesfälle, die durch das eigene Verhalten bedingt sind, nehmen innerhalb der ausländischen Bevölkerung entgegen dem Trend weiter zu: Bei unter 65-Jährigen geht jeder vierte Todesfall bei Frauen und bei Männern fast jeder dritte auf ein negatives Gesundheitsverhalten wie Rauchen, mangelnde Bewegung oder zu kalorien- und fettreiche Ernährung zurück. Seit Mitte der neunziger Jahre stieg gerade bei ausländischen Frauen die Sterblichkeit an – liegt aber immer noch unterhalb des Sterberisikos deutscher Frauen.

Angesichts dieser Zahlen sprach die Senatorin von einem Nachholbedarf bei den Präventionskampagnen, die stärker auf die kulturellen und sprachlichen Besonderheiten der ausländischen Bevölkerung ausgerichtet werden müssten. Nachholbedarf gibt es auch bei der Statistik: Im Gegensatz zu Ausländern gibt es zu Deutschen Bürgern mit Migrationshintergrund nur wenige Spezial-Daten.

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