Zeitung Heute : Lebenslänglich im Prozess um Obdachlosen-Mord gefordert

Der Tagesspiegel

Potsdam. Im Prozess um den Mord an dem Obdachlosen Dieter Manzke in Dahlewitz hat die Staatsanwaltschaft gestern eine lebenslange Freiheitsstrafe für einen 22-jährigen Angeklagten gefordert. Für den mutmaßlichen Rädelsführer der Clique, den 21-jährigen Dirk R., plädierte Staatsanwalt Peter Petersen im Landgericht Potsdam auf eine 13-jährige Freiheitsstrafe. R. sei aufgrund eigener Gewalterfahrungen in der Kindheit nur eingeschränkt schuldfähig gewesen. Für zwei weitere Mittäter im Alter zwischen 17 und 21 Jahren verlangte die Staatsanwaltschaft Jugendstrafen von sechs und acht Jahren. Beim jüngsten Angeklagten, einem 17-Jährigen, plädierte Petersen auf Totschlag und fünf Jahre Jugendstrafe.

Die fünf Angeklagten hatten gestanden, den 61-jährigen Obdachlosen am 8. August vergangenen Jahres in einem Gartenbungalow so misshandelt zu haben, dass er wenig später starb. Nachdem sie Dieter Manzke in ein Gebüsch gezerrt hatten, machten sich drei der Angeklagten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auf die Suche nach weiteren Obdachlosen, „um den nächsten totzuschlagen.“ Ausführlich widmete sich Staatsanwalt Petersen der Suche nach einem Motiv der Angeklagten, die bis auf Dirk R. nicht wegen Gewaltdelikten vorbestraft sind.

Die jungen Männer, die überwiegend aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammten, hätten sich am Tattag „bewusst einen Menschen ausgesucht, der sozial unter ihnen stand“, so Petersen. Dieter Manzke habe seinen Peinigern als „Asozialer“ gegolte. Petersen berief sich in seinem Plädoyer auch auf einen Beschluss des Bundesgerichtshofs vom Oktober vergangenen Jahres, wonach das „bewusste Abreagieren von frustrationsbedingten Aggressionen an Opfern, nur weil sie sozial tieferstehend sind,“ sittlich auf tiefster Stufe stehe. Deutlich widersprach Petersen den Aussagen der Angeklagten, sie seien durch Alkohol enthemmt gewesen. Zeugen hatten erklärt, die fünf Männer seien kontrolliert aufgetreten. Anzeichen für eine politisch motivierte Tat wollte Petersen nicht erkennen. Das Urteil soll am 10. April fallen. Heike Kleffner

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