Zeitung Heute : Lebensplanung für Maschinen

Je besser Großgeräte überprüft und repariert werden, desto länger halten sie. Das spart Geld

Patricia Pätzold
Laufleistung.
Laufleistung.

„Romeo loves Julia“ – Graffiti wie diese gehören noch zu der harmlosen Sorte von Schmierereien, mit denen insbesondere Schienenfahrzeugunternehmen zu kämpfen haben. Kostspielig sind nicht nur Personal und Reinigungsmittel, sondern vor allem auch die Ausfallzeiten. Strategien und Techniken zur Reinigung, sogar zur präventiven Reinigung von Maschinen und Anlagen sind deshalb eines von vier Forschungsfeldern in dem Innovationscluster „Maintenance, Repair and Overhaul in Energie und Verkehr“ (MRO). Es befasst sich mit der Erhaltung, Instandhaltung und Überholung von Großanlagen. Der Förderumfang beträgt 14 Millionen Euro.

„Bei Produkten und Gütern mit hohen Investitionskosten und langer Lebensdauer – also Gasturbinen, Schienenfahrzeugen, Großmotoren – erwirtschaften Unternehmen heute durch den After-Sales-Service einen Großteil ihrer Gewinne“, sagt Eckart Uhlmann, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK und gleichzeitig TU-Professor am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb. „Dieser Wirtschaftsbereich wird immer bedeutsamer.“

Neben der Reinigung spielt die Instandhaltung von Maschinenanlagen eine große Rolle innerhalb des MRO-Clusters. „Eine Gasturbine in einem Kraftwerk hat eine Lebensdauer von etwa 40 Jahren. Über diesen Zeitraum sind Wartung und Instandhaltung wichtige Faktoren“, erklärt Uhlmann. „Wir wollen jedoch verschlissene oder fehlerhafte Anlagen nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen, sondern sie auf einen höheren, jeweils zeitgemäßen Stand bringen; ein Triebwerk etwa soll leiser werden, eine alte Gasturbine einen höheren Wirkungsgrad aufweisen.“

Eine verfeinerte Zustandserfassung soll die Lebensdauer des Produkts besser ausschöpfen, neu entwickelte Reparaturverfahren können einzelne Bauteile langlebiger machen. Dazu gehören unter anderem die weitere Automatisierung der Reparaturtechniken sowie der Einsatz widerstandsfähigerer Werkstoffe oder das Aufbringen von Schutzschichten bei der Überholung.

„In Berlin und Brandenburg sind die Bereiche Verkehr und Energie sehr stark in der Entwicklung, Produktion und Instandhaltung von Produkten“, sagt Uhlmann. „Sie sind deshalb prädestiniert, die Wirtschaftskraft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.“ Am MRO-Cluster sind 14 große Unternehmen aus der Verkehrs- und Energiewirtschaft der Region sowie sieben Forschungspartner beteiligt. Sie finanzieren den Cluster zu einem Drittel, ein weiteres Drittel kommt von den Ländern Berlin und Brandenburg, das letzte Drittel bringt die Fraunhofer-Gesellschaft auf.

Von der TU Berlin sind an dem Innovationscluster die Institute für Land- und Seeverkehr, für Luft- und Raumfahrt sowie das Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb von Professor Uhlmann beteiligt.

Durch die Doppelfunktion in seiner Person ist das Fraunhofer-Institut eng mit der TU Berlin verbunden. Das hat den Vorteil, dass Transferprojekte mit der Wirtschaft bearbeitet werden können. Auch die Studierenden profitieren dabei von einer sehr projektnahen Ausbildung. Mit solch einer vorteilhaften Konstellation hat die TU Berlin noch sechs weitere Fraunhofer-Institute eng an sich gebunden.

Uhlmann und seine Kooperationspartner sehen in der Unterstützung dieses Clusters und auch in dem neuen Masterplan „Industriestadt Berlin 2010 - 2020“ einen Beweis dafür, dass das Bewusstsein da ist, die Region Berlin-Brandenburg wieder als Industriestandort zu entwickeln: „Wir sind froh, dass die Verantwortlichen erkannt haben, dass die produzierende Industrie umfassend Arbeitsplätze schaffen kann.“ Mit dem Berliner Senat wurde inzwischen vereinbart, sich an dem Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums zu bewerben. Er ist Teil der „Hightech-Strategie“ und könnte zusätzliche Fördermittel bereitstellen. Patricia Pätzold

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