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Die Initiative „Kulturland Brandenburg 2004“ präsentiert Landschaft und Gärten, aber auch das Umfeld der Menschen

Marion Hartig

Die Stadt Forst in der Lausitz steht nicht gerade für das, was man eine blühende Landschaft nennt: hohe Arbeitslosigkeit, schrumpfende Einwohnerzahlen, frustrierte Erwachsene und Jugendliche. Doch mit dem Frust ist es jetzt vorbei. Früher haben viele Forster in der Textilindustrie gearbeitet, die aus der Stadt verschwunden ist. Heute weben sie anstatt Tuch an einer gemeinsamen Perspektive. Die unbewohnten Plattenbauten, die im Zentrum der Stadt aus dem Boden ragen, werden im Sommer abgerissen. In Diskussionen und Veranstaltungen sammeln die Einwohner architektonische Ideen für ihre neue Mitte.

Das Projekt an der polnischen Grenze ist eines von vielen auf dem Programm von „Kulturland Brandenburg“, der landesweiten, jährlichen Initiative, die das Land Brandenburg 2004 unter dem Thema „Landschaft und Gärten“ präsentiert. Was sich zunächst nach viel Grün, Lennéschen Gärten und Seenlandschaft anhört, ist im erweiterten Sinne gemeint, erklärt die Vorsitzende von „Kulturland Brandenburg“ Brigitte Faber-Schmidt. Selbstverständlich werbe das Land mit seinen Schätzen, den Parkanlagen und Gärten, gestalteter und unberührter Natur. Darüber hinaus aber drehen sich die rund 140 Veranstaltungen in diesem Jahr nicht nur um Gärten und Parks, sondern auch um die Lebensumwelt von Pflanzen, Tieren und Menschen überhaupt. Ausstellungen, Lesungen, Wanderungen, Kunstprojekte, Konzerte und Kolloquien führen an unbekannte Orte und zeigen unentdecktes Brandenburg.

Weinanbau in der Niederlausitz

Unter der Überschrift „Vergessene Orte. Weinberge in der Niederlausitz wieder entdeckt“ zum Beispiel widmet sich das Museum Schloss Lübben von April bis Oktober der 700-jährigen Geschichte des Weinanbaus in der Niederlausitz. Unzählige Weingärten und fast 400 Weinbergterrassen prägten lange Zeit die Kulturlandschaft der Region. Heute erinnern oft nur noch Flur- und Straßennamen an die vergangene Zeit.

„Der Dom und die Dörfer: Einladung in eine Landschaft“ ist der Titel einer am 14. Mai eröffnenden Ausstellung im Domstift Brandenburg. Thema ist die Bedeutung des Stifts für die Entwicklung der Stadt und der umliegenden Dörfer. Um ein ähnliches Thema geht es in einer Präsentation der Stiftung Brandenburgischer Gedenkstätten. Die am 17. Juni startende Dauerausstellung „Die Stadt und das Lager. Oranienburg und das KZ Sachsenhausen“ erklärt, wie das Konzentrationslager sich auf die Stadtentwicklung Oranienburgs auswirkte.

Landschaft und Kunst stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde. Landschaftsbilder und Skulpturen in der DDR“. Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam zeigt ab 1. September gestaltete Landschaften im Spiegel der bildenden Kunst der DDR. Die Werke stammen aus den Beständen des Kunstarchivs Beeskow. In einen Ort der Kunst verwandelt sich von Mai bis Dezember das Schloss Liebenberg. Brandenburgische Künstlerverbände zeigen Werke aus der Region, veranstalten Workshops, Konzerte und Theater.

Die Vision Pücklers

Wirklich grüne Landschaftsgestaltung ist das Thema der Ausstellung „Fürst Pücklers Landschaftspark“ im Schloss Branitz ab 5. Juni. Die Schau stellt die landschaftliche Vision Fürst Pücklers dar und führt als imaginäre Reise an weitere Orte historischer Landschaftskunst. Hinter private Gartenzäune in Potsdam und dem Umland zu blicken, dazu geben die „Tage des offenen Gartens“ vom 18. bis zum 20. Juni Gelegenheit. Kloster-, Schloss- und Küchengärten sind Thema der Schau „Schön und nützlich“ vom 15. Mai an im Potsdamer Kutschstall. Mit allen Sinnen sind dort die gärtnerischen Künste früherer Zeiten erfahrbar.

Ob unter den Titeln Industriekultur, Fontane oder Preußen – in ihren seit 1998 organisierten Themenjahren haben die Veranstalter insgesamt rund eine Million Besucher angelockt. Zum Europajahr 2003 kamen 220 000 Gäste. Mit einem ähnlichen Erfolg rechnet das Kulturland auch in diesem Jahr. Mit insgesamt 500 000 Euro fördern Bund und Land die Projekte. Für die Gäste bleiben Dokumentationen von Tagungen, Publikationen und Wanderkarten zu Orten, die man bei ungeführten Touren durch die Mark kaum entdecken dürfte.

Weitere Informationen: Kulturland Brandenburg e.V., Schloßstraße 1, 14467 Potsdam, Telefon: 03 31 / 231 13 69, Internet: www.kulturland-brandenburg.de, E-Mail: info@kulturland-brandenburg.de

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