LEBENSWELTENX Wohnungen Neukölln : Der Asphalt kennt mich

Sandra Luzina

Neukölln hat wie kein anderer Berliner Bezirk negative Schlagzeilen produziert. Sei es nun die Diskussion über „Parallelgesellschaften“ oder über die Rütli-Schule – stets wurden diffuse Ängste geschürt. Manche betrachten das Viertel schon als No-go-Area. Höchste Zeit also, den Kiez zu sondieren. Auf Initiative vom Hebbel am Ufer sind 24 Künstler in die Gegend zwischen Maybachufer und Rudow ausgeschwärmt, um fremde Lebenswelten zu erkunden. Getreu der Idee von „X Wohnungen“ schufen sie Mini-Inszenierungen und Installationen in Privatwohnungen, teilweisel sogar mit den Bewohnern selbst.

Die drei Routen führen durch den Reuterkiez im Norden, rund um den Körnerpark im Süden und in die an der Peripherie gelegene Gropiusstadt. Kennenlernen kann man Neuköllner Urgesteine. Bettina Blümler, die Regisseurin des preisgekrönten Films „Prinzessinnenbad“, wird Gina N., eine lebenslustige ältere Dame mit Wohnsitz an der Einflugschneise zum Airport Tempelhof in Szene setzen. Die sagt von sich: „Das Leben ist hart, ich kenne den Asphalt da draußen, aber der Asphalt kennt auch mich.“ Mit den Ohren schlackern wird man auch bei Kalle K. Der Rocker in den besten Jahren, im Hauptberuf Malermeister, präsentiert mit seiner Band „Elektrische Männerwelt“ das Werk von Jimi Hendrix in deutscher Sprache. Zu den 24 Künstlern des Projekts gehören erstmals auch ein breites Spektrum an Musikern. Zwei Solisten der Berliner Philharmoniker, Heiner Goebbels und die Elektro-Clash-Diva Peaches – sie alle machen den Sound von Neukölln hörbar. Sandra Luzina

Do/Fr 5./6.6., ab 17 Uhr, Sa/So 7./8.6., ab 16 Uhr, Start im 10-Minutentakt, 18 €, erm. 11 €

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