Zeitung Heute : Leckere Jobs bei hohem Schmelzfaktor

Von der Idee bis zum erfolgreichen Eis am Stiel kommt viel Know-how zusammen. Das Beispiel von Magnum–Hersteller Langnese-Iglo

Katja Winckler

Werbung soll Aufmerksamkeit erregen – mit der neuen Magnum-Eissorte „Sieben Sünden“ ist dies durchaus gelungen. Namen wie „Neid“, „Eitelkeit“ und „Wollust“ für die einzelnen Geschmacksrichtungen hingegen brachten christliche Gemüter zum Kochen. Von „Blasphemie“ war die Rede, zumal auch noch das ehemals harmlos wirkende Herzchen-Logo diabolisch mit Teufelsöhrchen und -schwänzchen aufgerüstet worden sei. Ein Entschuldigungsschreiben des Vorstands konnte die Gläubigen nicht besänftigen, die Schockierten riefen zum Boykott an der Tiefkühltruhe auf. Doch die Kalorienbombe in Schoko, Mandel oder weißer Schokolade verkauft sich bestens. Die „sündige“ Variante des 1989 eingeführten Magnum, das inzwischen das weltweit erfolgreichste Eis am Stiel sein soll, ist nicht auf dem Mist eines einzelnen Produktmanagers gewachsen. Der Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt ist lang und verläuft über viele Beschäftigungsfelder im Hause Langnese-Iglo, einer Tochter des Unilever-Konzerns.

Heerscharen von Produktmanagern und Marktforschern, Lebensmitteltechnikern und -chemikern sowie auch Verfahrensingenieuren sind in Sachen Gaumenfreuden unterwegs, feilen an Konzepten und der Umsetzung neuer Produkte. Werbeagenturen beschäftigen Kundenberater, Texter und Grafiker, um selbst einem so profanen Produkt wie Eis die volle Dröhnung vom säkularisierten Zeitgeist und einen Hauch von Verruchtheit einzuhauchen. Key-Account-Manager widmen sich dem Vertrieb, Einkäufer sorgen dafür, dass die Waren in den Groß- und Einzelhandel gelangen. Abgerundet wird das Marketing von kreativ gestalteten Internetauftritten und Promotionteams, die das Eis in angesagten Clubs und auf Party-Events unter die Leute bringen. Darüber hinaus gibt´s auch noch auf das Produkt abgestimmte Mode-Collectionen. Alles, damit die leckeren Kalorienbomben in den Mündern der Endverbraucher landen. Immerhin werden jährlich rund 400 000 Millionen Magnum produziert – und gegessen. Allein jeder Bundesbürger isst im Schnitt zwei Magnums im Jahr. Und die Produktmanager entwickeln immer wieder Varianten: Dreierpackungen für die heimische Tiefkühltruhe , Mini-Magnums in Eiskonfekt-Format – oder „Sieben Sünden“.

Die bewusst provokative Strategie für die „Sieben Sünden“ ging auf, das blasphemische Bad-Guy-Auftreten bescherte sogar redaktionelle Medienpräsenz: Das Magazin „Stern“ zum Beispiel widmete dem Eis eine ganze Seite. Und das soll kein Einzelfall bleiben. Der Unilever-Konzern sucht über seine Internet-Seite www.careersatunilever.com ständig nach „Persönlichkeiten, die Innovation als tägliche Herausforderung ansehen, und die beim Denken auch einmal die Richtung wechseln können“. Das trauen sich viele zu. Pro Jahr gehen allein für das Programm „UniTrain“ mehr als 5000 Bewerbungen ein. Für diesen „Direkteinstieg mit strukturierter Weiterbildung“ werden in Hamburg alle zwei Wochen vierstufige Assessment Center veranstaltet. Eingestellt werden pro Jahr etwa 50 Hochschulabsolventen aller Disziplinen. Wichtigste Voraussetzung: Auslandserfahrung und fließendes Business English .

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