Zeitung Heute : Ledig, jung, unterversichert?

Egal ob Azubi oder Uni-Absolvent: Drei Policen sind unverzichtbar für jeden Berufseinsteiger

Dagny Lüdemann

Ich bin jung und brauche das Geld, denken sich viele Berufseinsteiger, die mit ihrem Gehalt nur knapp auskommen. Sie entscheiden sich daher gegen einen umfassenden Versicherungsschutz. Doch das kann gefährlich sein. Der Bund der Versicherten rät unbedingt zu einer Privathaftpflicht- und einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Und jeder sollte prüfen, ob er nach der Schule oder nach dem Studium überhaupt noch krankenversichert ist.

KRANKENVERSICHERUNG

Wer während der Schulzeit oder Hochschulausbildung gesetzlich krankenversichert war, bleibt das auch, wenn er mit einem Beruf beginnt. Allerdings lassen sich Kinder von Beamten – die durch den Staat und zusätzlich privat versichert sind – häufig im Studium von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien, um bei den Eltern mitversichert zu bleiben. Spätestens ab dem 27. Lebensjahr endet diese Möglichkeit – und wer bis dahin keinen Job gefunden hat oder noch studiert, darf nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Im schlimmsten Fall ist er dann überhaupt nicht mehr versichert. Auch wer sich arbeitslos meldet, kann nicht automatisch in die GKV zurück. „Im Notfall kann man Hartz IV beantragen und so in die GKV – aber nur wenn man kein Vermögen hat“ sagt Bianca Höwe vom Bund der Versicherten. „Alle anderen bisher privat versicherten Beamtenkinder müssen eine eigene Privatversicherung abschließen – und das kostet in etwa 200 Euro im Monat“, sagt Höwe.

Gesetzlich Versicherte können eine private Zusatzversicherung abschließen. Diese deckt Leistungen ab, die die Kassen nicht zahlen. Erst ab einem Jahresbruttogehalt von 47 250 Euro dürfen Angestellte sich voll privat versichern. Wer glaubt, einmal so viel zu verdienen, kann sich eine „Aufnahmegarantie“ sichern. Das kann sinnvoll sein, weil Privatversicherungen nur Kunden zu guten Bedingungen aufnehmen, von denen sie keine hohen Kosten durch chronische Krankheiten erwarten. Für einen Monatsbeitrag ab 10 Euro kann man die Aufnahmegarantie erwerben. Dann wird der aktuelle Gesundheitszustand zugrunde gelegt – und bei Eintritt in die Private erfolgt keine erneute Gesundheitsprüfung.

PRIVATHAFTPFLICHT

Wer dem Mitbewohner Kaffee über den Laptop schüttet, kann froh sein, eine Privathaftpflichtversicherung (PHV) zu haben. „Doch es gibt noch viel schlimmere Fälle, in denen ohne PHV die finanzielle Zukunft ruiniert ist,“ sagt Bianca Höwe. Wer etwa beim Babysitten einen Unfall verursacht, durch den das betreute Kind so schwer verletzt wird, dass es ein Leben lang gesundheitlich beeinträchtigt ist – oder wer die Herdplatte anlässt und dadurch ein ganzes Haus in Brand steckt, haftet mit seinem Gehalt und seinem Vermögen – bis der Schaden bezahlt ist. „Es lohnt sich nicht, dieses Risiko einzugehen, denn eine PHV gibt es schon ab 40 Euro im Jahr“, meint die Expertin. Viele Leute unter 27 denken allerdings, sie seien noch bei den Eltern mitversichert. Aber Achtung: Wer selbst Geld verdient, die Ausbildung wechselt oder sein Studium abbricht, muss nachfragen, ob er trotzdem weiterhin mitversichert ist.

BERUFSUNFÄHIGKEIT

Junge Leute haben meist nur wenig Ersparnisse. Außerdem haben sie oft noch keine gesetzlichen Rentenansprüche angesammelt. Auch Hochschulabsolventen erwerben während des Studiums keine Rentenansprüche mehr. Hinzu kommt, dass seit einigen Jahren alle nach 1961 Geborenen mit der gesetzlichen Rente nicht mehr gegen Berufs-, sondern nur noch gegen Erwerbsunfähigkeit geschützt sind. Wenn jungen Menschen etwas zustößt, so dass sie nicht mehr arbeiten können, werden sie daher schnell zu Sozialfällen. Es sei denn, sie haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen. Dann erhält man eine festgelegte monatliche Rente, wenn man seinen Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen kann – egal, ob man 20 oder schon 55 Jahre alt ist, wenn man berufsunfähig wird.

Wie hoch die Rente sein soll und bis zu welchem Alter der Versicherungsschutz gilt, wird bei Abschluss des Vertrags festlegt. Die Zeitschrift Finanztest rät zu einer BU bis 67 – denn solange werden junge Leute voraussichtlich arbeiten müssen. Die Rente sollte so hoch sein, dass sie im Notfall auch in 30 Jahren noch reicht.

Doch was soll man machen, wenn man noch keinen Beruf hat oder nicht einmal weiß, was man werden möchte? Auch dann kann und sollte man eine BU abschließen, raten der Bund der Versicherten und Finanztest. „Junge, gesunde Kunden bekommen leichter einen guten Vertrag.“ Während der Ausbildung bieten die meisten Versicherer aber lediglich eine allgemeine Erwerbsunfähigkeitsversicherung an – diese zahlt nur, wenn überhaupt kein Beruf mehr ausgeübt werden kann. „Wichtig ist, dass solche Verträge bei Berufseintritt in einen normalen Vertrag umgewandelt werden können, der sich dann auf den ausgeübten Beruf bezieht,“ sagt Höwe. Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Möglichkeit der „abstrakten Verweisung“ auf einen anderen Beruf im BU-Vertrag später ausgeschlossen ist.

Wichtig ist auch, dass der Vertrag eine Nachversicherung zulässt. Denn wer heute bei seiner BU noch nur an sich selbst denken muss, will später vielleicht die Familie mit absichern. Enthält der Vertrag eine Nachversicherungsgarantie, kann die anfangs vereinbarte Rente stufenweise erhöht werden, allerdings nur nach erneuter Gesundheitsprüfung.

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