Zeitung Heute : Lediglich Venezuela eröffnete in der Landeshauptstadt seine Botschaft - Infrastruktur unterentwickelt

Dorothee Stacke

Als liebenswerten Ort zum Leben, Arbeiten und Wohnen hatte Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) vor einem Jahr seine Heimatstadt in Bonn präsentiert. Mit einer aufwendig gestalteten CD-Rom sollte für die Ansiedlung von Botschaften, anderen diplomatischen Vertretungen und Bundesbehörden in der brandenburgischen Landeshauptstadt geworben werden.

Fazit: Keine einzige der 2000 angeschriebenen Institutionen konnte im Rahmen des Bonn-Berlin-Umzugs für den Erwerb einer der 50 repräsentativen Villen gewonnen werden. Bis heute eröffnete lediglich Venezuela eine Botschaft in Potsdam, das sich nach den Vorstellungen der Kommunalpolitiker in Anlehnung an den Bonner Villen-Vorort zu einem "zweiten Bad Godesberg" entwickeln sollte.

"Viele wollen in der Nähe der Regierung sein, und es gibt falsche Vorstellungen von den Entfernungen", begründet Oberbürgermeister Platzeck die Zurückhaltung. Prominentestes Verkaufsobjekt ist die sogenannten "Preußen-Villa" im Potsdamer Vorort Neufahrland. Das Gebäude auf einem traumhaften Wassergrundstück gehörte einst einem Seitenzweig der Hohenzollern-Dynastie. Zu DDR-Zeiten hatte sich dort die amerikanische Militärmission eingemietet. Das Land Brandenburg, seit 1990 Eigentümer der Villa, verlangt dafür fünf bis zehn Millionen Mark. Immobilienexperten halten allenfalls 3,5 Millionen Mark für angemessen. Und so bleibt das Haus einstweilen ungenutzt.

Mit einem Leerstand von rund 70 Prozent hat auch der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth an seinem Prestige-Objekt am Glienicker Horn, unweit der Glienicker Brücke, zu kämpfen. Von den 43 Nobel-Eigentumswohnungen mit Quadratmeterpreisen bis zu 10 000 Mark wurden bisher nur 14 verkauft. "Potsdam ist in seiner Infrastruktur immer noch unterentwickelt", sagt Unternehmenssprecher Markus Ferber.

Mit verhaltenem Optimismus blickt dagegen der Leiter des Potsdamer Büros des Immobilienunternehmens Engel und Völkers, Stefan Küter, in die Zukunft. "Wir haben eine deutliche Belebung der Nachfrage im gewerblichen Bereich", sagt er. Die "jungen Wilden" - Unternehmer der Medienbranche - strebten nach Potsdam. Nachfrage sieht Küter auch bei Familien, die Objekte zwischen 600 000 und 900 000 Mark suchen. Aber, so meint der Immobilienmann: "Es gibt wenig Gutes am Markt. Und das ist dann gleich verkauft."

Zur eventuellen Ansiedlung von Botschaften sind für Makler Küter "alle Messen gesungen". Jedoch könne Potsdam von einer zweiten Nachfragewelle beim Bonn-Berlin-Umzug "noch etwas abbekommen". So habe der niederländische Botschafter sein Privatquartier in der Landeshauptstadt aufgeschlagen.

Fachleute zweifeln langfristig nicht an den guten Aussichten der Potsdamer Nobelviertel. Deren Preis-Skala wird von der "Berliner Vorstadt" angeführt. Modemacher Wolfgang Joop und TV-Moderator Günther Jauch sind dort schon prominente Eigentümer. Um die "Villa Kellermann" am Heiligen See tobt unterdessen ein harter Kampf. Mit rabiaten Methoden versucht der Besitzer den derzeitigen Mieter - einen mehrfach ausgezeichneten Gastronomen - mit seinem Restaurant loszuwerden. Dazu ließ er sogar die Kanalisation zuzementieren. Liebenswert ist das nicht, aber es geht - um bei Platzecks Worten zu bleiben - um einen Ort zum Leben.

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