Zeitung Heute : Legal, aber nicht klug

Ist es wirklich reine Privatsache, ob Wendelin Wiedeking 50 Millionen Euro Abfindung kassiert? Dürfen Aufsichtsräte Vorständen, die sie loswerden wollen, einfach so Millionen hinterherwerfen? Rechtlich gesehen ist die Frage einfach: Ja, natürlich dürfen sie das. Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das Abfindungen verbietet – auch dann nicht, wenn sie unverschämt hoch sind. Und auch wenn sich Politiker aller Fraktionen jetzt über den goldenen Handschlag für Wiedeking ärgern, wird es auch in der nächsten Legislaturperiode kein solches Gesetz geben. Denn feste Grenzen für Managergehälter oder -abfindungen dürften mit dem Grundgesetz kaum vereinbar sein.

Das Recht ist das eine, die Moral das andere. Es kann nicht angehen, dass Wiedeking, der mit waghalsigen Spekulationsgeschäften erst sein Gehalt auf sensationelle 80 Millionen Euro in die Höhe getrieben und dann Porsche vor die Wand gefahren hat, jetzt noch einmal abkassiert. Im Übernahmekampf um Volkswagen ist er gescheitert, Porsche wird von VW geschluckt – normale Arbeitnehmer hätten für solche Patzer die fristlose Kündigung bekommen, Wiedeking bekommt 50 Millionen. Dass er einen Teil des Geldes spendet, ist unerheblich. Denn es geht nicht um die Person Wiedeking, es geht um das System.

Deutsche Manager fallen weich. Thomas Middelhoff hat Arcandor in die Insolvenz getrieben und dennoch Millionen eingestrichen, vor Gericht klagen Ex-Bankchefs auf Abfindungen, obwohl sie mit ihren undurchsichtigen Finanzspielereien die Wirtschaftskrise ausgelöst haben. Während die Banken zum Business as usual zurückgekehrt sind, bangen Millionen Arbeitnehmer in Deutschland um ihre Jobs. Dass die Schuldigen ungeschoren davonkommen und noch viel Geld einstreichen, während Unbeteiligte die Zeche zahlen, ist schwer zu verstehen. Die Wiedeking-Abfindung ist Teil dieses Systems. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, Porsche kann die Abfindungsmillionen im nächsten Jahr von der Steuer absetzen. Das alles ist legal – aber klug ist es nicht.

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