Zeitung Heute : Legal für 3 Euro 50

T-Online-Vision und Video on Demand von Arcor bieten Internet-Filme ohne schlechtes Gewissen

Kurt Sagatz

Kaum im Kino, schon im Internet. Bislang galt das vornehmlich für Raubkopien von Kino-Blockbustern, jedenfalls in Deutschland. In den USA sieht die Situation inzwischen ganz anders aus. Dort haben sich die großen Studios Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount Pictures, Sony Pictures und Warner Brothers zusammengeschlossen, um mit dem Internet- Filmverleih Movielink ein legales Gegenangebot zu schaffen. Wer über einen schnellen Breitbandanschluss ans Internet verfügt, kann sich in den USA bei vielen Streifen bereits jetzt den Gang in die Videothek sparen. Und kommt man dann doch nicht dazu, den Film direkt anzuschauen, kann er für 30 Tage auf dem Rechner vorrätig gehalten werden. Erst nach dem Start läuft die Uhr, nun verbleiben noch 24 Stunden, um den Film anzuschauen und beliebig oft vor- und zurückzuspulen.

Ganz so weit ist man in Deutschland noch nicht, zumindest was die Auswahl an Filmen angeht. Der Telekom-Breitbanddienst T-Online-Vision hat zwar rund 80 Filme im aktuellen Angebot, darunter aber allein elf Mal James Bond und alle fünf Rocky-Streifen. Mit Filmen wie „Bruce Allmächtig“, „Hulk“ oder „Sindbad“ sind immerhin auch einige echte Blockbuster dabei. Mit einem erheblich größeren Fundus kommt der Video-on-Demand-Service von Konkurrent Arcor daher: Gleich mehrere hundert Streifen stehen hier zur Auswahl, doch bei der Durchsicht fragt sich der Kinofreund bald, wie viele B-Filme mit unbekannten Titeln eigentlich in den letzten Jahren gedreht wurden. Weniger wäre hier möglicherweise mehr gewesen, zumindest würde man dann schneller die sehenswerten Filme finden.

Vorausgesetzt, man kann sich mit der angebotenen Filmpalette dennoch anfreunden, sind die technischen Hürden relativ gering. Die wichtigsten Voraussetzungen für das zeit- und ortsunabhängige Filmvergnügen sind ein DSL-Anschluss sowie ein Windows-Rechner, der die geschrumpften Datenpakete in eindrucksvolle Bilder umwandeln kann. Als Abspielsoftware nutzen beide Plattformen den Media Player von Microsoft. Damit ist immerhin die Mehrzahl aller Computer und Laptops, die in den letzten beiden Jahren verkauft wurden, für das Film-Angebot geeignet. Die Qualität der Internet-Filme reicht zwar nicht ganz an eine DVD heran, ist jedoch deutlich besser als bei einer herkömmlichen VHS-Kassette.

Bei der Preisgestaltung haben sich die Video-on-Demand-Anbieter offensichtlich an den Gebühren von Videotheken orientiert. Bei Arcor werden überwiegend 3,50 Euro je Film verlangt, T-Online-Vision weist zumeist Preise von vier Euro je Film aus. Filme für Erwachsene stehen nur zum Download bereit, wenn zuvor eine Altersprüfung per Post erfolgte.

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