LEICHTSINNSFEHLER IN DER WISSENSCHAFT : Ziemlich verdreht

Wie leicht sich ein Zahlendreher einschleicht, kennt jeder, der schon einmal ein Überweisungsformular ausgefüllt hat. Aber manchmal hat der kleine Fehler gravierende Folgen. So unterlief dem Weltklimarat (IPCC) gerade erst eine peinliche Panne, die dem Ansehen der UN-Behörde langfristig schaden könnte. In Teilen des aktuellen Weltklimaberichts von 2007 stand die spektakuläre Prognose, die Gletscher des Himalaja könnten schon bis zum Jahr 2035 größtenteils abschmelzen. Im Januar musste das IPCC diese Behauptung zurücknehmen. Die Aussagen beruhten nicht auf einer ausreichend fundierten wissenschaftlichen Grundlage, hieß es zur Begründung. Offenbar waren die Jahreszahlen 2350 und 2035 verwechselt und ungeprüft Daten in den Bericht aufgenommen worden.

Kein Zahlendreher, sondern ein Kommafehler war der Grund, warum Generationen von Kleinkindern den häufig ungeliebten Spinat vorgesetzt bekamen. Denn dieser galt lange – und gilt bei vielen vermutlich heute noch – als sehr eisenhaltig. Der Grund: In 100 Gramm Spinat sollten 35 Milligramm Eisen enthalten sein. Tatsächlich sind es nur 3,5 Milligramm. Auslöser für diese Fehlinformation war Gustav von Bunge. Der Schweizer Physiologe hatte Ende des 19. Jahrhunderts errechnet, dass 100 Gramm getrockneter Spinat 35 Milligramm Eisen enthalten. Später wurde dieser Wert frischem Spinat zugeschrieben. Doch der besteht zu 90 Prozent aus Wasser. jul

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