Zeitung Heute : „Leider kommt kein Staatschef“

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Angesichts von Hunger, Krieg, Ausbeutung, Naturkatastrophen und Seuchen in vielen Teilen der Erde: Ist die Zukunft vieler Kinder nicht vom Tag der Geburt an zerstört?

Fast alle diese Probleme können wir lösen. Deshalb sollten wir nicht resignieren, sondern für ein besseres Leben eines jeden neugeborenen Kindes kämpfen.

Was kann der Kindergipfel bewirken?

Einige der Ziele, die wir uns 1990 beim Weltkindergipfel setzten, haben wir erreicht. So wurden Millionen Kinderleben durch Impfungen gerettet. Jetzt setzen wir neue Ziele: Die Kindersterblichkeit muss weiter reduziert werden, wir wollen allen Kindern eine schulische Grundausbildung sicherstellen, und wir wollen Kindern einen besseren Schutz vor Missbrauch, Ausbeutung und Gewalt bieten.

Hehre Ziele. Aber wie wollen Sie die Regierungen zu mehr Einsatz bewegen?

Wir müssen Druck ausüben und überzeugen. Viele Politiker haben erkannt, dass Kinder die Wähler von morgen sind. Und sie müssen erkennen, dass Investitionen in die Kinder ihres Landes die einzige nachhaltige Strategie gegen Armut, gegen die Ausbreitung von Seuchen und gegen Kriege sind. Studien belegen: Jeder Dollar, der für die Gesundheit von Kindern ausgegeben wird, zahlt sich siebenfach aus. Später fallen nämlich Kosten für Krankenhäuser, Arbeitslosenunterstützung oder die Errichtung von Gefängnissen weg.

Welche Politiker erwarten sie in New York?

Rund 70 Staats- und Regierungschefs wollen kommen. Mit US-Präsident George W. Bush rechnen wir nicht. Leider kommt kein Staats- oder Regierungschef aus einem großen europäischen Land. Das ist sehr schade.

Geht es den Kindern in Europa tatsächlich so gut, dass die Politiker sich nicht mehr für die Kleinen interessieren?

Vergleichsweise leben Kinder in Europa noch am besten, die Ernährung und die Bildungssituation etwa sind gut. Aber die Zahl der Kinder, die mit ihren Familien abrutschen, steigt. Beispiele dafür in Europa sind Großbritannien oder Spanien.

Das Interview führte Jan Dirk Herbermann.

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