Zeitung Heute : Leinen los für Studierende

Mit dem Akademischen Segler-Verein von Berlin nach Peking

Bernd Wannenmacher

Ans andere Ende der Welt geht es für den Akademischen Segler-Verein. Er plant eine Weltumseglung mit Start in Berlin, Aufenthalt in Peking während der Olympischen Sommerspiele 2008 – und zurück. „Unter Segeln nach Peking 2008“ heißt die Tour, und im September 2007 fällt der Startschuss. Dann stechen die Mitglieder des Vereins mit ihrem neuen Segelboot, dem „Walross IV“, in See.

Mit an Bord: Studierende der Berliner Universitäten, auch der Freien Universität Berlin, die für ein oder zwei Semester den Hörsaal gegen einen Platz in der Kajüte tauschen wollen. „Vor allem junge Studierende sollen während der Reise lernen, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten“, sagt Ivo Schuppe, Mitglied des Planungs-Teams und selbst Alumnus der Freien Universität. „Das sind Erfahrungen, die die Studierenden im Hörsaal nicht machen können.“ Interessenten können sich beim Akademischen Segler-Verein melden.

Auf der Seereise nach Peking wird die studentische Besatzung nicht nur die olympischen Partnerstädte London, Paris, Los Angeles und Tokio ansteuern – auch in Ferienparadiesen wie Hawaii, Rio de Janeiro oder vor der Küste Australiens wird die „Walross IV“ auf ihrer rund 33 000 Seemeilen langen Reise vor Anker gehen. Doch bevor es endlich losgehen kann, muss das Segelschiff noch fertiggestellt werden. Im Ausbildungszentrum für Boots- und Schiffsbau (AZBS) in Berlin-Köpenick entsteht in Kombination aus klassischer Handwerkskunst und modernster Technik eine Hochseeyacht, die es in dieser Größe in Berlin noch nie gab. Ungewöhnlich für ein hochseetüchtiges Schiff: Der Rumpf besteht aus Mahagoni-Holz, das in sieben Schichten mehrfach diagonal und längs verklebt wird. „Dadurch erhält das Schiff eine besondere Stabilität und eine lange Lebensdauer“, erklärt Ivo Schuppe.

Plump und ungelenk wie die gleichnamige Robbenart wird die Yacht jedoch nicht aussehen. Im Gegenteil: Schnittig und elegant kommt der mittlerweile vierte Spross der nautischen Ahnenreihe daher. „Der Name Walross wurde schon unserem ersten Boot verpasst“, sagt Ivo Schuppe. „Damals waren Schiffe eben noch deutlich runder und breiter.“

Mit der langen Weltumseglung tritt die „Walross IV“ in die Fußstapfen des Vorgängerbootes, der „Walross III“. Auf 245 000 Seemeilen zeigte es 30 Jahre lang auf allen Weltmeeren Flagge – die Berliner Flagge, deutlich zu erkennen am Berliner Bären, der auf dem Spinnaker prangte. Auch sportliche Herausforderungen meisterten die Studierenden mit Bravour: 1981 nahmen die akademischen Segler als einzige deutsche Teilnehmer an der bekannten Weltumseglungsregatta „Whitbread-Round-The-World“, dem heutigen „Volvo Ocean Race“, teil.

Auf eine lange Tradition kann auch der Akademische Segler-Verein zurückblicken: Schon seit 1886 steuern Studierende von Berlin-Spandau aus die Weltmeere an. Eine Tradition, die mit der neuen „Walross IV“ nun fortgesetzt wird. Für die maximal zehnköpfige Crew heißt es dann wieder: Kombüse statt Mensa. Zumindest für die nächsten drei Jahre, denn die Rückkehr ist erst für 2009 geplant.

Weitere Informationen im Internet: www.asv-berlin.de

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