Zeitung Heute : Leise Töne anschlagen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Psst, auch schon gehört? Es gibt einen neuen Ausgeh-Geheimtipp. Dort sieht es aus, als hätten die Stylisten vom „Wallpaper“-Magazin mit James Bond-Bühnenbauer Ken Adam gemeinsame Sache gemacht. Mit dem wohl futuristischsten Sound System weit und breit. Nur für Nichtraucher. Na, und? Wissen Sie schon Bescheid? Wenn nicht: Ich rede vom Liquidrom. Das ist dieser Wellness-Tempel unter dem Tempodrom. Okay, das ist nicht gerade die Sorte Ort, zu dem ich Sie sonst immer schicke – es ist vielmehr das genaue Gegenteil von einem Club – aber genau deshalb sollten Sie sich das Liquidrom einmal anschauen. Denn dort finden Sie den wohl mit Abstand luxuriösesten Chill Out-Raum weit und breit – ja, vielleicht sogar von ganz Europa.

Sie wissen ja: Chill Out-Räume sind in Clubs die Orte, in denen sich die Tänzer und Partygänger ausruhen können. Wo entspannte, leise Musik läuft, man auf Kissen herumliegen kann, gute Düfte in der Luft sind, man seine vom Tanzen müden Beine hochlegt und vom Schwipps oder sonst was sanft herunterkommt. Das Liquidrom müssen Sie sich jetzt als eine erweiterte, luxuriösere Variante davon vorstellen. Auch dort läuft entspannte Musik, psychedelische Lichteffekte und bunte Lichter gleiten geschmeidig über die Wände. Aber wo in Chill Out-Räumen sonst die Kissen liegen, gibt es im Liquidrom ein großes Solebecken, in dem Sie sich, wie im Toten Meer, treiben lassen können. Und dazu hören Sie, während Ihr Kopf halb unter Wasser ist, Ambient oder Chill Out-Musik. Ja, Sie haben richtig gelesen – während Ihr Kopf im Wasser ist – denn im Liquidrom gibt es Unterwasserlautsprecher. Und das bedeutet wirklich einmalige Hörerlebnisse.

Das Tolle außerdem: An manchen Abenden gibt es im Liquidrom sogar DJ-Programm. Morgen Abend zum Beispiel ist der „Deep Dolphin Siesta Sound“ angekündigt. DJ Arion und seine Freunde versprechen im Programm des Liquidroms, das man unter www.liquidrom.com besichtigen kann, etwas kryptisch „mehr Meer, mehr Sound und mehr Dolphin-Club“, was wahrscheinlich bedeutet, dass morgen Abend nautische Klänge aller Art zu hören sein werden: Delphin-Geräusche und Walgesänge plus ein Soundtrack aus gurgelnder Ambient-Musik. Wenn Ihnen das zu sehr nach Esoterik klingt und Sie mehr auf clubbige Relax-Musik stehen, dann sollten Sie kommenden Mittwochabend ins Liquidrom. Da ist nämlich Vollmond und das Liquidrom bis zwei Uhr morgens geöffnet. „Sound In Transition“ heißt dann die Party am Mittwoch, bei der DJs und Musiker, die man aus unterschiedlichen Club-Zusammenhängen kennt, etwas leisere Töne anschlagen. Dort können Sie, während Sie im Solewasser dahinschweben, auch schon mal die ersten Auszüge aus der gleichnamigen Compilation hören, die „Sound In Transition“ mit ihren „Floating All Stars“ eingespielt haben und die Anfang Dezember veröffentlicht wird. Sollten Sie es zu beiden Terminen nicht schaffen, ist das nicht weiter schlimm. Man kann nämlich eigentlich immer ins Liquidrom. Mein persönlicher Tipp: montagmorgens, ab 10 Uhr. Das Feier-Wochenende im Salzwasser Revue passieren lassen. Und dann im Anschuss den Partymuff in der angrenzenden Sauna herausschwitzen.

Daniel Haaksman

Liquidrom, im Tempodrom, Anhalter Bahnhof, Kreuzberg, täglich von 10 - 0 Uhr.

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