Zeitung Heute : Leoparden küss’ ich nicht

Ein Verehrer weiblicher Eleganz beschwert sich

Frederik Hanssen

„Lass liegen, das kommt ganz bestimmt wieder!“ Angesichts der immer schneller wechselnden Modetrends ist es nicht pure Sparsamkeit, wenn man die hippen Klamotten aufhebt, bis sie in der übernächsten Saison wieder en vogue sind. Dass allerdings die internationale Haute Couture bei ihrer Suche nach dem ultimativen Kick eines Tages eine Berliner Fashion-Facette aufgreifen würde, das hätte bis zu den Winterkollektionen wohl niemand gedacht.

Die Rede ist von Raubtiermustern. Wo immer in der Hauptstadt ein gesellschaftliches Ereignis lockt, sind sie anzutreffen: die Wilmersdorfer Löwinnen, Steglitzer Tiger und Charlottenburger Leoparden, vorzugsweise ältere Semester, deren Figur sich mit „1,50 Meter im Würfel“ beschreiben lässt. Lange Zeit von Zugereisten mit offenem Mund bestaunt, sind diese Damen in ihrem modischen Mut nun tatsächlich durch die bestbezahlten Designer des Globus geadelt worden. Wer diesen Winter durchs Quartier 206 an der Friedrichstraße flaniert, den blitzt aus allen Schaufenstern Geflecktes und Getigertes an. Bleibt nur die Frage: Was wollen uns die Frauen eigentlich sagen? „Ich bin eine Kami-Katze“? Oder gar: „Nur ein gerissener Mann ist ein guter Mann?“ Zweifellos kann es angesichts des rauen Berliner Umgangstons nicht schaden, sich ein dickes Fell zuzulegen – doch wenn einem Verehrer weiblicher Eleganz die Bemerkung gestattet ist: Ladys, bitte packt den Tiger in den Schrank!

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