Zeitung Heute : Lernen mit der Maus

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Von Holger Schlösser

Wenigstens eine Branche könnte vom Pisa-Fiasko profitieren: Die Anbieter in Sachen E-Learning auf der Internet-World in Berlin. Denn durch das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der Pisa-Studie geriet nicht nur das Bildungssystem in Kritik, es wurde auch einmal mehr deutlich, wie wichtig lebenslanges Lernen ist.

Dabei ist der Fernunterricht für viele Menschen die einzige Möglichkeit, sich neben Beruf und Familie in freier Zeiteinteilung und unabhängig vom Ort weiterzubilden. Im vergangenen Jahr nutzten über 150 000 Menschen in Deutschland das Angebot der Fernlehrinstitute. Hier bieten virtuelle Lernumgebungen viele Vorteile für Studierende, die bislang auf zugeschickte Lehrmaterialien angewiesen waren.

„Go Digital“ heißt es folgerichtig derzeit auch an deutschen Universitäten. Vielerorts entstehen virtuelle Seminare, Lehrstühle oder Labore. Und das ist erst der Anfang. An deutschen Hochschulen wird einer Studie zufolge im Jahr 2005 mehr als die Hälfte aller Studenten Online-Angebote nutzen. 240 Millionen Mark ließen sich Bund und Länder in den letzten fünf Jahren die Integration des Internets in die akademische Lehre kosten. Eine Investition, die sich auszahlen könnte. Die deutschen Unis könnten, so die Hoffnung, ihr Budget mittels E-Learning aus eigener Kraft aufstocken. Einer Schätzung der Unternehmensberatung Mummert + Partner zufolge lagern rund 90 Millionen Euro ungenutztes Potenzial in den 30 deutschen Hochschulen. Die elektronisch gespeicherten Seminare müssten nur noch entsprechend aufbereitet werden, so die Marktforscher.

Das „Lernen mit der Maus“ hat aber auch in der Wirtschaft Konjunktur. Stichworte wie Globalisierung und Internetrevolution stehen letztlich auch für einen hohen Anpassungsdruck an neue Geschäftsabläufe. Wollen die Firmen im internationalen Wettbewerb keine Marktanteile verlieren, müssen sie sich rasch den neuen Bedingungen anpassen. So hat das Postulat vom Wissen als wichtigsten Rohstoff und entscheidender Wettbewerbsfaktor nach wie vor Gültigkeit.

Neben den staatlichen Bildungsinstitutionen setzt denn auch knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen bereits E-Learning zur Mitarbeiterfortbildung ein. Wie sonst sollte man in einem Großunternehmen auch viele tausend Mitarbeiter verteilt in Standorten auf dem gesamten Globus in eine neue Software einarbeiten? E-Learning ist leicht verfügbar, zeitsparend und kostengünstig. Und dank der Technik bleiben die Kollegen am Schreibtisch sitzen, statt für einige Tage zu teuren Seminaren zu fahren.

Das Lernen im Netz kann spannend sein. Doch bei aller Technik müssen Lehrbücher aktuell sein, die didaktischen Konzepte stimmen und interaktive Features wie E-Mail-Tutoring oder Diskussionsgruppen wirklich funktionieren. Die Internet-World war eine gute Gelegenheit, sich die Lösungen vor Ort einmal präsentieren zu lassen.

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