Zeitung Heute : Lernen und forschen in kleinen Kursen Carolyn Ludwig studiert im Linguistik-Master

Gina Apitz
Foto: privat
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Dass sie sich an einer Massenuni einmal wie in der Schule fühlen würde, hätte Carolyn Ludwig nicht gedacht. Doch ihr Masterstudium in Linguistik erinnert sie stark an die Zeiten, als sie fürs Abitur büffelte. Ihr Jahrgang an der Humboldt-Universität hat Schulklassengröße: 24 weitere Studierende haben mit Ludwig zusammen im Oktober angefangen. „Wir sprechen immer scherzhaft von unserer Familie“, sagt die 24-Jährige. In manchen Kursen sitzt sie mit nur drei Kommilitonen. Im Vergleich zum Bachelor seien diese Studienbedingungen sehr angenehm, findet Ludwig. Das große Plus des Masters: keine überfüllten Vorlesungen, keine Anmeldungen für Seminare. Die Studieninhalte gingen mehr in die Tiefe. Und dass ihr Master forschungsorientiert ist, kann Carolyn Ludwig bestätigen.

Nach ihrem Bachelor in Englisch und Latein hatte sie sich zunächst für einen Lehramtsmaster an der Humboldt-Uni eingeschrieben. Sie merkte aber schnell, dass Lehrerin nicht ihr Wunschberuf ist. Trotzdem besuchte Ludwig einige Kurse in Erziehungswissenschaft und Didaktik, schrieb nebenbei ihre Bachelor-Arbeit fertig. Der Gutachter ihrer Arbeit brachte sie dann auf die Idee, Linguistik zu studieren.

Zum Oktober 2010 wechselte Ludwig dann das Fach und hat die Entscheidung bisher nicht bereut – auch wenn der Arbeitsaufwand im Linguistik-Master höher ist. 16 Semesterwochenstunden belegte Carolyn Ludwig im ersten Halbjahr. „Ein bisschen zu viel“, meint sie. Einige Kurse musste sie deswegen wieder abbrechen. Die Dozenten verlangen mehr als während des Bachelor-Studiums. „Ich muss wieder wöchentliche Hausaufgaben abgeben“, sagt Ludwig. „Das ist ja eher untypisch für die Uni.“ Der Lesestoff umfasse jetzt speziellere und vor allem anspruchsvollere Literatur. „Dafür bin ich ja auch Masterstudentin“, sagt sie.

Durch die kleinen Seminare sei der Kontakt zu den Dozenten nun viel enger als im Bachelor. Eine Verlängerung für ihre Hausarbeit haben ihr die Profs ohne Probleme zugestanden. „Bei den meisten herrscht schon ein recht lockerer Umgang.“ Stark verbunden fühlt sich Carolyn Ludwig aber vor allem mit ihren Kommilitonen. „Wir sehen uns jeden Tag, gehen zusammen in die Mensa und haben sogar Lerngruppen gebildet“, sagt sie. Aus ihrem Bachelor kannte sie das nicht. Obwohl sie auch da mit einigen Mitstudierenden befreundet war, fühlte sich Ludwig an der Universität damals eher als Einzelkämpferin.

In dem volleren Lehramtsmaster wäre das wohl so geblieben. Doch für Linguistik wurden nur zur Hälfte HU-Studenten zugelassen. Der Rest kommt aus anderen Städten in Deutschland. Klar, dass die Neuen Anschluss suchen und besonders offen sind für neue Kontakte.

Was Carolyn Ludwig außerdem freut: Bisher konnte sie ihren Nebenjob gut mit dem Studium vereinbaren. Sie betreut amerikanische Studenten der New York University, die an der Humboldt-Uni eine Art Außenstelle betreibt. Einmal in der Woche können die Amis ihre Probleme in ihrer Sprechstunde vortragen. Außerdem geht Ludwig mit ihren „Schützlingen“ einmal im Monat ins Theater oder in eine Ausstellung.

Weil sie mit den Amerikanern im selben Wohnheim lebt, ist sie auch eine Art Hausmeister. Hat mal jemand einen Schlüssel verloren, bimmelt es an ihrer Tür. „Manchmal ist es schon belastend“, sagt Ludwig. Immerhin muss sie am nächsten Morgen in die Uni. Trotzdem mag sie den Job, vor allem wegen des engen Kontakts zu ihren amerikanischen Kommilitonen.

Schon im Bachelor verbrachte Ludwig ein Semester in den USA. Nach ihrem Master könnte sie sich vorstellen, noch einmal wegzugehen – nach Großbritannien, Irland oder nochmal in die Staaten. Konkrete Pläne hat sie noch nicht. Auch eine Promotion will Carolyn Ludwig später nicht ausschließen. Nur eines steht für sie fest: Nach dem Studium hat sie erst einmal „Lust auf etwas Praktisches“. Gina Apitz

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