Zeitung Heute : "Les Misérables" auf CD-ROM: Verzichtbar selbst für die Fans

Tina Heidborn

Dies soll ein großer Auftritt sein und scheitert doch an Fehlern im Detail: Knapp 15 Jahre, nachdem die Musical-Fassung "Les Misérables" nach dem Roman von Victor Hugo angelaufen ist, ist das Bühnen-Spektakel nun auch interaktiv auf zwei CD-ROM vermarktet worden. In 14 Sprachen übersetzt, mit zahlreichen Preisen dekoriert - das dürfte wohl Erfolgsstory genug sein, um das Musical von Alain Boubil und Claude-Michel Schönberg von den Brettern in London und New York auf den Computer im heimischen Wohnzimmer zu holen. Auch wenn die Produktion am deutschen Spielort Duisburg inzwischen abgesetzt ist.

Doch wem es um die Musik geht, der sollte lieber zur richtigen CD-Version greifen, die musikalischen Ausschnitte sind kurz und zudem in kaum kontrollierbare Endlosschleifen gepresst. Das Navigieren, das eigentlich im Zuschauerraum beginnen soll, muss anfangs nach dem Zufallsprinzip erfolgen. Wer irgendwann dann doch die Diagramme mit der aufgeschlüsselten Programmstruktur entdeckt hat, kann sich ausführlichst über die Produktion informieren lassen: Schauspieler, Kostüme, alle Aufführungsorte sind derart detailliert aufgeführt, dass selbst Les-Mis-Fetischisten hier genug bekommen. Spannender und interessanter in dem Sammelsurium aus Wissenswertem und Abwegigem sind die Kategorien, die ebenfalls sehr ausführlich Hugos Leben, sein Werk und den historischen Kontext aufbereiten. Allerdings fehlt hier mal ein Bild, da breitet sich ein Text unleserlich über den Rahmen aus und zwischendurch stürzt die ganze CD-ROM ab. Die Video- und Filmausschnitte laufen gar nicht, und die deutschen Umlaute in den meisten Begleittexten sind "hieroglyphisiert". Was dem wahren Fan, der schon alles weiß, vermutlich keine Schwierigkeiten macht. Allen anderen sollte es reichen, das Musical auf der Bühne zu sehen.

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