LESEBÜHNERobert Naumann bei „Chaussee der Enthusiasten“ : Komm’ in die Puschen

Was soll schon aus einem werden, der von sich selbst sagt: „Ich hatte nie in meinem Leben einen echten Berufswunsch“? Entweder Schriftsteller – oder Stammgast beim Arbeitsamt, das heutzutage, nach den Hartz-IV-Reformen, Jobcenter heißt. Robert Naumann (Foto), geboren 1973 in Jena, ist beides geworden. Er ist regelmäßig Autor der renommierten Berliner Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“ und hat sich bislang hauptsächlich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben geschlagen. Von irgendwas muss ein Lesebühnenautor schließlich leben.

Mit dem Büchlein „Ich hartz dann mal ab“ hat Naumann nun seine Hauptprofessionen ideal miteinander verbunden. Er erzählt darin Anekdoten aus seinem Leben – und berichtet von seinem Hartz-IV-Leben und den Begegnungen mit seiner Sachbearbeiterin Frau Steputat, die heutzutage, nach den Hartz-IV-Reformen, als „PAP“ bezeichnet wird, persönliche Ansprechpartnerin. „Jetzt sind sie schon vier Jahre bei mir“, stöhnt Frau Steputat, „und wir sind keinen Schritt weitergekommen. So langsam müssen Sie mal in die Puschen kommen, Herr Naumann.“

Danach steht Herrn Naumann natürlich nicht so der Sinn. Lieber erzählt Naumann, wie er einmal ein richtiger Bauarbeiter werden wollte, wie er sich an einem Studium der Sonderschulpädagogik versuchte oder wie er zweieinhalb Monate lang ein lausiger Spargelstecher in Chemnitz war. All das ist amüsant, manchmal böse, manchmal aber auch schrecklich, stecken doch nicht zuletzt einige schlimme Wahrheiten in diesem Buch. Der Jobcenteralltag kann schon ziemlich absurd sein. Gerrit Bartels

RAW-Tempel, Do 29.12.,

20.30 Uhr, 5 €

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