Zeitung Heute : Lesen, Schreiben, Surfen

Der Tagesspiegel

Wer den Umgang mit den Medien nicht beherrsche, werde zurückfallen, warnte Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern auf der Konferenz zum Thema „Medienkompetenz im 21. Jahrhundert“. Schröder plädierte daher dafür, den Kindern bereits in der Grundschule den spielerischen Umgang mit dem Internet beizubringen. Auf der zweitägigen Konferenz, die von der Bertelsmann-Stiftung organisiert wurde, diskutieren europäische und amerikanische Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Fähigkeiten, die für einen intelligenten Einsatz von Informationstechnologien in allen gesellschaftlichen Bereichen nötig sind.

Neben Lesen, Schreiben und Rechnen verwies der Bundeskanzler auf die wachsende Bedeutung des Umgangs mit den Medien. Diese vierte Kulturtechnik „entscheidet über unsere Zukunft“. Frei nach dem Motto „früh übt sich“ sollten demnach die Kinder bereits im Grundschulalter in den Umgang mit dem Internet spielerisch eingeführt werden. Nicht nur in diesem Punkt sah der Regierungschef die Lehrkräfte in der Pflicht. „Die Schulen müssen den Kindern helfen, Medienerlebnisse zu haben und auch zu verarbeiten“, betonte Schröder im Hinblick auf die wachsende Macht der Bilder. Von einer „grausamen Bilderwelt, geschaffen durch den Terrorismus“ sprach der Kanzler, die es richtig zu lesen gelte.

Mit ein wenig Internet-Erfahrung im Milchzahnalter sei der mediale Lernprozess jedoch nicht abgeschlossen. Es gehe darum, „das Lernen neu zu lernen“, philosophierte Schröder über die Wissensanhäufung als einen lebenslangen Prozess. Schließlich sei die Bildung die zentrale Frage in diesem Jahrhundert. „Sie ist die Eintrittskarte in die Welt des gerecht verteilten Wohlstandes.“ Schröder appellierte an die Unternehmen, ihren Beitrag zu leisten, den Arbeitnehmern ein lebenslanges Lernen der vierten Kulturtechnik zu ermöglichen. Etwa 80 Prozent aller Arbeitsplätze stelle nach Angaben des Kanzlers künftig der Informationssektor bereit.

Auch Beamte würden fortlaufend im Medienbereich geschult, sagte Gerhard Schröder. Über welche Fähigkeit manch ein Staatsdiener in punkto Internet verfügt, zeigt eine kürzlich veröffentliche Studie des „Spiegels“. 44 Prozent der Beamten Niedersachsens nutzten demnach das Internet privat im Dienst. Kanzler Schröder übte sich in Galgenhumor: Eigentlich sollten die Beamten das nicht machen, doch wenigstens könnten sie auf diese Weise mit dem Internet umgehen. Und zwar: „gar nicht so schlecht“. Daniel Freudenreich

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