Zeitung Heute : Lesen und Reisen: Italienische Sehnsüchte

Hella Kaiser

Zwischen dem Ligurischen Meer und dem nördlichen Apennin liegt ja nicht einfach eine italienische Landschaft. Man braucht das Wort Toskana nur in irgendeine Gesprächsrunde zu werfen, und schon gucken alle ganz verträumt. Natürlich kann ein Buch niemals ein Ersatz für eine Toskana-Reise sein, aber der jetzt im Bucher-Verlag erschienene opulente Bildband kann die Sehnsucht immerhin ein bisschen lindern.

Die hervorragenden Fotos, manchmal über eine Doppelseite gezogen, können süchtig machen. Es ist, als schlendere man selbst über arkadengesäumte Plätze und hat beinahe den Duft von Früchten und Pilzen in der Nase, die da auf Märkten feilgeboten werden. Da ist der weiße Marmor von Carrara, da sind die Villen bei Lucca, die Kirchen von Florenz und der Domplatz von Pienza.

Die vier Fotografen des Bandes spielen mit Licht und Schatten, leuchten Brunnenfiguren aus und nutzen immer wieder das warm-goldene Licht später Nachmittage. Zwischen die Bilder wurden schwärmerische Dichterzitate gesetzt, von Goethe natürlich, von Hesse und Rilke. Niemand konnte dieser Landschaft widerstehen. "Höhenketten in sanften Wellenlinien, hier und da auch ein steilerer Kegel, dazwischen wenige Städte, zahllose malerische Dörfer und Schlösser und Kirchtürme und verfallene Kastelle ...", betrachtete Johannes von Widmann 1913. Und das sehen wir noch heute.

In verschiedenen Aufsätzen wird kundig über Kunstschätze und Thermen, aber auch vom Wein und Olivenöl berichtet, das als das beste Italiens gilt. Kritisches gibt es nicht in diesem Buch, und so wird Viareggio noch immer als elegantes Seebad bezeichnet, obwohl es seinen vornehmen Charakter schon lange verloren hat. Auch in der Toskana gibt es zu viele Autos und störendes Handygeklingel auf Plätzen, an denen man doch träumen möchte. Der Bildband konserviert die heile Welt der Toskana und will nichts als verzaubern. Man blättert darin - und es geschieht.

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