Zeitung Heute : Lesen und Reisen: Mit Volldampf voraus

Heinz Delvendahl

Im Jahre 1957 wühlte der Untergang des deutschen Segelschulschiffes "Pamir" die Menschen an der Küste und alle Liebhaber der letzten Tiefwassersegler auf. Der Hurrikan "Carrie" hatte unerwartet seine Zugbahn geändert und war südwestlich der Azoren über die Viermastbark her gefallen. Im Orkan zerfetzten alle Segel, die Gersteladung verrutschte und die "Pamir" kenterte. Nur sechs der 86 Seeleute und Kadetten an Bord konnten aus der tobenden See gerettet werden, unter ihnen der Kochmaat Karl-Otto Dummer.

In dem interessant illustrierten Band "Viermastbark Pamir" hat Dummer seine Erinnerungen an die dramatischen Umstände des Untergangs, die bangen Stunden des Wartens auf Rettung und - in Zusammenarbeit mit Holger Husemann - die lange, wechselvolle Geschichte der "Pamir" und ihrer Kapitäne aufgezeichnet.

Karl-Otto Dummer: Viermastbark Pamir - Die Geschichte eines legendären P-Liners. Convent Verlag, Hamburg, 2002. 221 Seiten, 39,90 Euro.

Im Dezember 1872 traf die amerikanische Brigg "Dei Gratia" halben Wegs zwischen den Azoren und Gibraltar auf einen anderen US-Segler, der weder auf Flaggensignale noch Rufe reagierte. Als drei Seeleute zur "Mary Celeste" hinüberruderten, machten sie eine gespenstische Entdeckung: Die voll seetüchtige Schonerbrigg war offensichtlich in panischer Hast verlassen worden. Jahrzehntelang schossen die Spekulationen um die möglichen Gründe wild ins Kraut.

Der Hamburger Schifffahrtsautor Eigel Wiese hat eine plausible Erklärung gefunden. In "Das Geisterschiff" weist er nach, dass es beim Lüften der Laderäume eine kurze Stichflamme durch Selbstentzündung der teilweise verdunsteten Alkoholladung gegeben haben muss. Da die Mannschaft befürchtete, das ganze Schiff würde in die Luft fliegen, ging sie überstürzt ins Beiboot - nur um ohnmächtig zu erleben, wie die unversehrte "Mary Celeste" davonsegelte.

Eigel Wiese: Das Geisterschiff - Die wahre Geschichte der Mary Celeste. Europa Verlag, Hamburg 2002. 190 Seiten, 16,90 Euro.

Britische und norwegische Reeder haben sie erfunden, aber deutsche Reedereien wurden vor und zwischen den Weltkriegen darin führend: Kreuzfahrten zur See. In den 1930er Jahren dürften von keinem Hafen der Welt mehr Schiffe auf Kreuzfahrt gegangen sein als von Hamburg aus. Neben der Frachtschifffahrt, den Liniendiensten und dem Auswanderergeschäft wurden sie zunächst für die Hapag, später auch für den Norddeutschen Lloyd und die Hamburg-Süd zu einer lukrativen Einnahmequelle.

Im Kielwasser des seebegeisterten Kaisers in die norwegischen Fjorde, ins Mittelmeer und den Orient oder zu den Atlantischen Inseln zu reisen, wurde zum Traumziel, wenngleich es für die allermeisten beim Träumen blieb. Ein Blick auf den prunkvollen Großen Salon der "Kaiserin Maria Theresia" zeigt schon, dass solche Seetouren kostspielig waren. Arnold Kludas, durch seine fünfbändige Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt als profunder Kenner ausgewiesen, lässt die glanzvollen Namen noch einmal Revue passieren: Cap Arcona, Monte Pascoal, Milwaukee, Columbus, später die KdF-Schiffe.

Arnold Kludas: Vergnügungsreisen zur See - Eine Geschichte der deutschen Kreuzfahrt. Convent Verlag, Hamburg 2002. 220 Seiten, 49,90 Euro.

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