Zeitung Heute : Lesen und Reisen: Nur die Neugier

Anna Gerstlacher

Was haben die Städte Petra, Muskat, Rangun, Luang Prabang, Angkor Wat, Katmandu, Ulan Bator und Samarkand gemeinsam? Entweder sind sie untergegangen, hinterließen Ruinen von einzigartiger Schönheit oder sind auferstanden, so dass sie heute begehrte touristische Ziele sind. Zehntausende von Flug-Kilometern legte der Schweizer Autor Peter Haff bei der 70 000 Dollar teuren "Lost Cities Expedition" zurück; 23 Tage war er im "Explorer 2000" - einer umfunktionierten Boeing 757 - unterwegs. Vom "Leeren Viertel" Arabiens bis in die Steppen der Mongolei führte ihn das moderne Abenteuer. Zwei Jahrhunderte zuvor brauchte der Epikur Edward Tonelli "auf der Suche nach Gott" für ein ähnliches Unternehmen 23 Jahre. Dessen Aufzeichnungen liefern nicht nur die Grundlage der Reiseroute, sie dienen auch als Folie für die romanhafte Reisebeschreibung.

Gereist wird zwar durch verschiedene Zeit- und Klimazonen, Kulturen und Religionen, aber nur durch einen Kontinent: Asien. Nach dem Motto "Der Preis spielt keine Rolle" zieht man von einem Renommierhotel zum nächsten. Das neu renovierte "Grand Hotel" im kambodschanischen Siem Reap schneidet dabei übrigens am besten ab.

Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch läuft alles nach Plan. Die Chef-Reiseleiter sind erfahren, die lokalen Führer geben ihr Bestes. Außergewöhnlich ist die 82-köpfige Reisegruppe aus vieler Herren Länder (Australien, Südafrika, USA, Kanada oder England), die sich an Pools und Hotelbars näher kommt. Eine illustre Gesellschaft hat sich zusammen gefunden. Die Berufspalette reicht vom jovialen Galeristen über ein Lehrer-Ehepaar, das mit einem selbstverlegten Grammatik-Buch für Englisch reich geworden ist bis hin zum lebenslustigen Bestattungsunternehmer. Gemeinsam ist allen ihr außergewöhnlicher Reichtum.

Während der Fahrt wird ein Fragebogen verteilt. Warum reisen wir? Und was gefällt uns an dieser Reise am besten? Die Schattenseiten des Daseins wollen vergessen werden oder eine andere Religion wird als hoffnungsvoller Rettungsanker begriffen. Aber auch ganz simple Gründe führen die Menschen in die weite Welt. Beim Zeigen der Fotos wird den Nachbarn gegenüber ganz beiläufig erwähnt: "We did it, did you?" Manche treibt nur die Neugier.

Alltägliche Beobachtungen und kluge Betrachtungen, in adäquater Sprache gebündelt: Peter Haffs Paradies-Suche ist eine echte Bereicherung. Nicht nur die "Lost Cities" werden wiederbelebt, auch die Reiselust wird geweckt. Wo das Paradies liegt, wird auch nach der Lektüre subjektiv unterschiedlich beurteilt werden. Das Paradies, so hatte Novalis einmal behauptet, sei über die ganze Erde verstreut und daher unkenntlich geworden. Das vorliegende Buch gibt Tipps, wie man es - vielleicht - entdecken kann.

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