Zeitung Heute : Lesen und Reisen: Polen ohne Schnickschnack

Franz Lerchenmüller

Mark Salters Reiseführer "Polen" ist ein hervorragender Begleiter: Klar strukturiert, sauber recherchiert, ordentlich geschrieben. Und mit 800 Seiten gerade dick genug. Denn ob eine Floßfahrt durch die Dunajec-Schlucht, Country-Konzerte in Mragowo, die Wanderung zu den Wisenten im Byalistok-Nationalpark oder ein Einkaufsbummel durch Krakau - das Land zwischen der Oder und Weißrussland eröffnet jedem Besucher eine Fülle von Möglichkeiten. Und es ist immer noch ein preiswertes Reiseland - selbst wenn auch hier die Benzinpreise gestiegen sind und die Flasche Wodka nicht mehr für fünf Mark zu haben ist.

Salter erfüllt die Erwartungen von Reisenden: Er hat die Adressen von Hotels und Restaurants parat, stellt bedeutende und unwichtigere Sehenswürdigkeiten vor, kennt Wanderrouten und Badeplätze. Auf 30 Seiten gibt er einen Überblick über die polnische Geschichte, und ermöglicht dem Leser so, die Historie einzelner Regionen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Scheint ihm ein Thema interessant genug, vertieft er es in einem kurzen Exkurs: "Die Tataren" etwa, "Marie Curie" oder "Der Deutsche Orden". Passend dazu ist sein Buch sparsam mit Schwarzweißfotos bebildert, aber ausreichend mit Karten versehen.

Kurz und gut: Ein handfestes Stück Gebrauchsliteratur ohne jeden überflüssigen Schnickschnack. Und der Schlüssel zu einem Reiseland, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als es heute findet.

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