LESUNG Carl Nixon : Ein Rätsel namens Lucy

Als der neuseeländische Schriftsteller Carl Nixon 2007 seinen ersten Roman „Rocking Horse Road“ veröffentlichte, konnte er nicht wissen, dass er seiner Heimatstadt Christchurch damit ein Denkmal setzen würde. Denn so, wie diese Straße vom Stadtteil New Brighton aus über die Landzunge The Spit führte, ist sie nur noch ein Gegenstand literarischer Imagination. Als bei schweren Erdbeben im September 2010 und Februar 2011 fast 200 Menschen ums Leben kamen, verlor auch die Rocking Horse Road ihr Gesicht.

Nixon, der in allen Genres zwischen Kurzgeschichte und Theaterstück zu Hause ist, legt zwar großen Wert darauf, dass neben der Mordgeschichte, die dieser Roman vor dem Hintergrund verbürgter neuseeländisch-südafrikanischer Spannungen zu Anfang der achtziger Jahre erzählt, auch die topografische Gestaltung Ausgeburt dichterischer Fantasie sei. Doch er vermittelt eine einprägsame Vorstellung von der Atmosphäre dieser Gegend – nicht zuletzt durch die beigefügten Fotos. Eine Gruppe von 15-jährigen Jungs, die am Strand die Leiche eines ihnen bekannten Mädchens, Lucy, finden – und ein Vierteljahrhundert lang von der Frage gequält werden, wer Schuld an ihrem Tod hat. Und die Anti-Apartheids-Randale um den Besuch der südafrikanischen Rugby-Mannschaft Springboks in Neuseeland: Das sind die beiden Erzählstränge, die hier, erzählt von einem kollektiven Wir, zusammengefügt werden. Stefan Weidle, Übersetzer und Verleger von „Rocking Horse Road“, stellt Nixons Roman über das unwiderrufliche Ende einer Jugend im Gespräch mit dem Autor vor. Gregor Dotzauer

Literaturhaus Berlin, Fr 5.10., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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