LESUNG Douglas Coupland „JPod“ : Sklaven der Popkultur

In Deutschland kann man sich im Augenblick vor Douglas-Coupland-Veröffentlichungen kaum retten. Nachdem lange Jahre überhaupt nichts von dem „Generation X“-Erfinder erschienen war – um genau zu sein: seit 2006, seit seinem komischen Familienroman „Eleanor Rigby“ –, wurden jetzt innerhalb eines Jahres gleich drei Bücher von ihm hierzulande publiziert. Im Herbst 2010 gab es den Roman „Generation A“, der leider nicht hundertprozentig gelungen war und eher fragmentarischen Charakter hatte. Dann ließ der kanadische Schriftsteller zum 100. Geburtstag von Marshall McLuhan eine Biografie des Medientheoretikers folgen. Und dieser Tage erscheint ein weiterer Coupland-Roman, der in den USA freilich schon 2006 veröffentlicht wurde: „JPod“, benannt nach dem Arbeitsplatz von sechs jungen Spiele-Designern, deren Nachname jeweils mit einem J beginnt.

Leicht haben die es gerade nicht: Ihr Chef will, dass sie in ein fertig designtes Skateboard-Spiel noch eine Schildkröte einbauen. Und überhaupt leiden sie darunter, sich in einer Sackgasse zu fühlen, aus dem JPod so leicht nicht wieder herauszukommen. Couplands Erzähler, Ethan Jarlewski, hat zudem noch andere Probleme. Er kommt aus einer reichlich verkorksten Familie. Die Mutter hat ihren Liebhaber erledigt, der Vater eine Affäre mit einer einstigen Mitschülerin von Ethan. Der Bruder quartiert bei Ethan für eine Nacht chinesische Flüchtlinge ein. Der Roman ist eine Mischung aus übersteuertem Pop- und amüsantem Familienroman, ein großer, irrer Spaß, den man auch als legitimen Nachfolger von Couplands 1995er Roman „Microsklaven“ betrachten kann. Gerrit Bartels

Literarisches Colloquium, 20.8., ab 18 Uhr, 5/3 €; Postbahnhof, FritzClub, Mi 24.8., 20 Uhr, 18 €

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