LESUNG Helmut Höge über Straßenpoller : Gentrifizierungsfallen

Man kann bei den vielen Aktivitäten des „taz“-Autors und Großschriftstellers Helmut Höge leicht den Überblick verlieren. Höge hat in Zoos gearbeitet, er hat kurz nach der Wende in den damals noch existierenden LPGs Ställe ausgemistet, war US-Dolmetscher, kennt sich in den Kupferminen von Calama aus, und er ist immer mal wieder Aushilfshausmeister bei der „taz“ und sorgt dann im Anzug für die richtige Seife auf den Toiletten und die korrekte Postzustellung für Redaktion und Verwaltung.

Überdies ist er eine Art Talentscout: Höge hat nicht nur Wladimir Kaminer entdeckt und gefördert (mit dem er lange Jahre sonntags in den Räumen der taz-Redaktion Texte durchging), sondern auch so brillante Autoren wie den Mongolen Dondogyn Batjargal oder die zauberhafte Ukrainerin Lilli Brand. Und es gibt kaum ein Thema, das er nicht erschöpfend zu behandeln weiß, seien das die Lebensbedingungen von Wölfen, Partisanen und Prostituierten, seien das die Monopolisierungsbestrebungen der Beton- und Zementindustrie oder sei es die Geschichte der guten alten Glühlampe und wie übel ihr überhaupt im Moment mitgespielt wird. Der Platz reicht nicht aus, um alle Höge-Themen- und Tätigkeiten zu benennen. Erwähnt sei aus gegebenem Anlass, dass Höge Deutschlands renommiertester Pollerforscher ist und genauestens weiß, warum welche Poller in Fußgängerzonen, auf Straßen und Parkplätzen stehen. Und was sie mit der Gentrifizierung bestimmter Stadtteile zu tun haben, ob sie Kunstwerke oder Schandmale sind. Genau darüber wird Helmut Höge unter Zuhilfenahme zahlreicher Pollerfotos aus seinem Archiv in der Neuköllner Buchhandlung „Die Buchkönigin“ referieren. Gerrit Bartels

Die Buchkönigin, Mi, 9.3., 19.30 Uhr, 5/3 €

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