LESUNG Marion Brasch „Ab jetzt ist Ruhe“ : Die kleine Schwester

Foto: juergen-bauer.com

Als Marion Brasch klein war, mussten sie und ihr Bruder Peter abends nach dem Gutenachtkuss der Mutter stets ein Sprüchlein aufsagen, jeder immer ein Wort: „Ab jetzt ist Ruhe“. Damals gab sie dann wirklich Ruhe – und womöglich hat Brasch diese auch jetzt, da sie den „Roman meiner fabelhaften Familie“ geschrieben hat. Der besteht zwar in erster Linie aus der Lebensgeschichte der heute als Radiomoderatorin bekannten Marion Brasch. Doch bekommt diese Geschichte ihren Reiz insbesondere durch ihre berühmten drei Brüder Thomas, Klaus und Peter, die hier nur der älteste, der mittlere und der jüngste Bruder heißen. Und nicht zuletzt durch ihren Vater Horst, der bis zu seinem Tod, kurz vor dem Mauerfall, stellvertretender Kulturminister der DDR war.

Wie er und die frühzeitig an Krebs gestorbene Mutter sind die drei Brasch-Brüder tot: die Schriftsteller Thomas und Peter, der Schauspieler Klaus. Vielleicht musste sich Schwester Marion als einzige Überlebende ihrer Familie diese Geschichte wirklich von ihrer unruhigen Seele schreiben, vielleicht hat das Buch gar therapeutischen Charakter. Trotzdem hat Brasch mit ihrer knappen, teils bewusst naiven, eine gewisse Unbeschwertheit vorgaukelnden Sprache einen schönen Ton gefunden; einen Ton, in dem sie die reife Distanz von heute mit der Tatsache, für immer kleine Schwester zu sein, perfekt verbindet. Man liest „Ab jetzt ist Ruhe“ mit einer gewissen Atemlosigkeit, wohl wissend, dass die kurzen Leben der Brüder eher nebenher erzählt werden, sie oft im Anekdotischen bleiben, inklusive der Auftritte anderer DDR-Prominenter wie etwa der des „Dichters mit der weiten Stirn“, nämlich Heiner Müller.Gerrit Bartels

Feine Dahme, Do 2.8., 20 Uhr, 8 €

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